Um ihn öffentlich zu sehen, muss man bezahlen, ein persönliches Händeschütteln kostet um die 200 Dollar. Die millionenfache Anhängerschaft konsumiert seine Ausführungen auf YouTube und sämtlichen Sozialen Medien. Auf der Crowdfunding-Plattform Patreon kann ein bestimmter Geldbetrag bezahlt werden, um seine Projekte zu fördern. Mittlerweile verdient der kanadische Professor eine Million US-Dollar im Jahr. Damit will er eine Online-Universität gründen und schielt damit auf Bildung wie schon seit vielen Jahren. Im Netz gibt es Tonnen an kostenlosem Material des akademischen Masterminds. Gerade eben ist die deutsche Erstausgabe von "Maps of Meaning" erschienen. Die Lektüre sei eine Lebenshilfe und ein Plädoyer für ganz bestimmte Werte.

Mastermind und Kritiker

Werte, die der selbst ernannte konservative Rebell gegen "politische Korrektheit", im Sinne von "man darf doch endlich wieder sagen, was man wirklich denkt", gnadenlos verfolgt. Bisher sind viele an der Entzauberung Petersons gescheitert. Auch Cathy Newman in einem Fernsehduell. Rund 13 Millionen haben das Video bisher konsumiert, als er die schlecht vorbereitete Journalistin rhetorisch vernichtete. Sie konfrontierte ihn mit seinen anti-feministischen Aussagen, blieb dabei nicht sachlich-nüchtern, sondern wurde aggressiv-emotional. "Gotcha" ("Hab ich dich gekriegt"), meinte Peterson am Ende und ging er als freundlich cooler Sieger aus dem Studio.

Auch der slowenische linke Kulturphilosoph Slavoj Zizek wagt immer wieder den Versuch, an Petersons Glanz zu schaben. Petersons pseudo-wissenschaftliche Referenzen seien ihm zuwider, ebenso sein überlegenes Gehabe, als ob der die Weisheit gepachtet hätte. Weisheit sei opportunistisch, nicht einmal Plato hätte sie für sich selbst beansprucht. Außerdem gehe ihm das Getue um diese Person auf die Nerven. Es gefalle ihm nicht, dass man mit Peterson nicht normal über Frauen und Männer sprechen könne, ohne dass er über Affen und Hummer rede oder mit irgendeinem Vergleich aus dem Tierreich komme. Ich nehme ihn nicht sonderlich ernst, sagt Zizek, ein erklärter Marxist, da er sich meistens auf eine paranoide Art auf nicht verifizierte Theorien berufe. Für ihn sei er ein obskurer Psychologe und Darling der Alt-Right. Die bisher schweigende Mehrheit der liberal Konservativen habe aber in ihm eine radikale Stimme gefunden.