• vom 01.02.2006, 00:00 Uhr

Kultur


Sedlaczek am Mittwoch

Mit der "Elferfrage" am Glatteis




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  • Dass der Ausdruck Wort "Elferfrage" durch die berühmte ORF-Sendung "Quiz 21" populär geworden ist, pfeifen ja die Spatzen von den Dächern. Aber war da nicht noch etwas?

Er nannte sich mit bürgerlichem Namen Rudolf Hornegg, doch ist er in unserem titelverliebten Land als Carl Graf Schönfeldt-Hornegg in die TV-Geschichte eingegangen.


Auf seine knochentrockene Art hat er von 1958 bis 1974 die Sendung "Quiz 21" moderiert. Für jene, die zu jung sind: Es war ganz anders als bei der "Millionenshow". Zwei Teilnehmer sind getrennt in schall dichte Kabinen gesperrt worden, sie konnten sich das erste Wissensgebiet selbst aussuchen und auch den Schwierigkeitsgrad bestimmen. Die leichteste Frage war die "Einserfrage", die schwierigste die "Elferfrage". Anschließend musste sich jeder Kandidat mit Fragen aus dem Wissens gebiet des Gegners herumschlagen. Wer 21 Punkte erreicht hatte, war Sieger - er gewann einen Geldpreis und bekam eine Ein ladung für die nächste Sendung.

Ich habe den Ausdruck "Elferfrage" lange für einen Austriazismus gehalten, weil Rudolf Hornegg zu den ersten Fernseherlebnissen meiner Kindheit gehört hat. Dabei hätte mich schon der Name "Quiz 21" stutzig machen müssen: Er ist offensichtlich dem amerikanischen Glücksspiel Blackjack ("Siebzehn und Vier") entlehnt worden, wo man ebenfalls 21 Punkte zum Sieg braucht.

Inzwischen weiß ich, dass das Spielkonzept vom amerikanischen Fernsehsender NBC entwickelt worden ist. "Twenty-One" ist vom 12. September 1956 bis zum 16. Oktober 1958 Woche für Woche in den USA gelaufen. Auch dort war "Elferfrage" die größte Herausforderung.

Traurige Berühmtheit hat die NBC-Quiz-Show durch einen Manipulationsskandal bekommen. Seit dem 28. November 1956 war der College-Professor Charles Van Doren vier Monate lang ungeschlagener Champion. Er gewann insgesamt 129.000 Dollar. Van Doren gestand 1959, dass ihm die Redaktion im Voraus die Antworten zugespielt hatte, weil man den arroganten Champion Herbert Stempel aus dem Weg räumen wollte.

Später hat sich herausgestellt, dass schon die längste Zeit alle Kandidaten nach einer Art Drehbuch absichtlich falsch oder absichtlich richtig geantwortet hatten - um die Zuschauerzahlen in die Höhe zu treiben. Der Quiz-Skandal hat schließlich sogar den US-Kongress beschäftigt, unter dem Titel "Quiz Show" ist er 1994 von Robert Redford verfilmt worden.

Rudolf Hornegg war erst ab September 1958 auf unseren Bildschirmen zu sehen, rund zwei Jahre nach dem Serienbeginn in den USA. Das Wort "Elferfrage" ist also streng genommen eine Entlehnung aus dem Amerikanischen Englisch.

Das alles ist ziemlich lang her, und auch das Remake von Quiz 21 mit Karin Resetarits im Jahr 1999 ist schon wieder vergessen.

Und dennoch gehört "Elferfrage" zu unserem Wortschatz, jeder weiß, dass damit eine unglaublich schwierige Frage gemeint ist, eine harte Nuss. (Wenn auf Standard.Online die Frage zu einem tagesaktuellen Thema als "Einserfrage" bezeichnet wird, so zeugt das nicht gerade von Sprachgefühl. Oder ist das ein "Einserschmäh"?)

Quizmaster Hornegg ist übrigens noch mit einer zweiten Wendung berühmt geworden. Die Fragen sind ja damals nicht von einem Computer ausgesucht worden, sind standen auf Spielkarten. Das Mischen dieser Karten war eine Art Ritual. Wenn Rudolf Hornegg die Karten in Unordnung bringen wollte, dann kommentierte er das mit dem Satz: "Jetzt machen wir eine ordentliche Mischkulanz!"

Dabei schwingt noch das Italienische mescolare (= mischen) mit. Wir denken an Sommer, Sonne, Brunello und allerfeinste Pasta - Herz, was willst du mehr?

Ihre Meinung an: www.wienerzeitung.at/sedlaczek



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-02-01 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-01-31 18:18:00

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