Nach fünf Jahren hat der von Herbert Lederer zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum gestiftete Wiener Schauspielerring erstmals seinen Träger gewechselt. Der "Josefstädter" Herbert Föttinger übergab am Sonntag im Theatermuseum in Wien die von der Schmuckkünstlerin Ulrike Zehetbauer kreierte Auszeichnung an den von ihm erwählten Nachfolger: Burgtheater-Mitglied Nicholas Ofczarek (Jahrgang 1971).

Am Beginn seiner Laudatio begrüßte Föttinger in dem mit Bühnenprominenz gefüllten Eroica-Saal Karlheinz Hackl ("unseren Mentor; ohne ihn stünden wir heute nicht hier"), der nach langer Krankheit erstmals in der Öffentlichkeit auftrat. Hackl wurde warmherziger Applaus mit minutenlangen Standing Ovations zuteil. Zur Wahl von Ofczarek sagte Föttinger, als er ihn kennen lernte, habe er das Gefühl gehabt ("ich habe den Ruf, ein Schwieriger zu sein"), einen Zwillingsbruder zu entdecken. Und dann, ein wenig ernster, unterstrich Föttinger den Ensemblegeist Ofczareks und seine schauspielerische Zivilcourage; die ihm gelegentlich auch die Bezeichnung "Nebenregisseur" eingebracht haben soll.

Elfriede Ott, im Konservatorium der Stadt Wien einst Zeugin der ersten Bühnenschritte Ofczareks, unterstrich Karlheinz Hackls fördernde Rolle für den Ausgezeichneten und erinnerte an weitere prägende Stationen: Andrea Breth, Frank Castorf und Claus Peymann.

Herbert Lederer, den Stifter des Rings, der mit seiner Frau Erna Perger in Wien das (Ein-Mann-)Theater am Schwedenplatz betreibt, würdigte Elfriede Ott mit Worten Hans Weigels: "Dieser Schauspieler ist für mich das Theater. Er ist Dichter, Schauspieler, Regisseur und Bühnenbildner in einer Person; und es ist ihm wurscht, wo die Prominenz ist."

Herbert Lederer selbst nannte den Ring einen Beitrag dazu, dass "in Zeiten des ewigen Auf und Ab am Theater unsere Kontinuität nicht verloren geht".

Zur Stimmung des Festakts trugen nicht zuletzt die Musiker bei: Alexander (Trompete) und Konstantin Waldigeroff (Klavier), die den Eroica-Saal mit kraftvollem Jazz erfüllten.