Zu Herren und Damen des Ringes werden ab nun die Ehrenmitglieder der Wiener Staatsoper. Die höchste Auszeichnung, die das Haus am Ring selbst vergibt, geht ab sofort (und für zwei besondere Ehrenmitglieder auch rückwirkend) mit einem vom Juwelier Wagner gestalteten Ring einher, der nicht nur den Namen des Ausgezeichneten, sondern auch eine Innen- und Außenansicht des verleihenden Hauses trägt. Die erste Übergabe des neuen Ringes auf offener Bühne - an Leo Nucci - findet am 10. März statt, erster Träger des Opern-Schmuckstückes wurde Neil Shicoff.

Der von Hermann Gmeiner-Wagner entworfene, "nicht schlanke" (so Bundestheaterholding-Chef Georg Springer) Ring zeigt an der Oberseite eine Gravur der Staatsoper, das Ringinnere trägt eine maßstabgetreue Darstellung des Zuschauerraumes. Der Name des Preisträgers ist ebenso eingraviert. Der Juwelier Wagner tritt dabei nicht als Sponsor mit Gegenleistung, sondern als "wahrer Mäzen" auf, wie Springer betont. Eine "Großzügigkeit, die sie eines Tages vielleicht bereuen werden", so Staatsopern-Direktor Ioan Holender mit einem Lachen und dem Hinweis, dass die Titel unter seiner Ägide "äußerst restriktiv" vergeben werden - "aber meine Direktion geht auch einmal zu Ende".

"Jeder Schauspieler und jeder Sänger will ein Zuhause finden. Die Staatsoper ist mein Zuhause", freute sich Shicoff über die "außergewöhnliche, unglaubliche Ehre". Eine ganz besondere Ehre geht mit dem Ring jedoch nicht einher, wie Shicoff feststellen musste: Bei der Überreichung durch Holender fragte der Sänger mit einem Lachen, ob "wir nun heiraten". "Da müssten wir schon nach Kalifornien fahren", entgegnete Holender, der den Ring zwar als zweiter nach Shicoff erhält, auf Grund seiner früheren Ernennung zum Ehrenmitglied der Staatsoper (1995) aber zum eigentlich ersten Träger wird.

Die Ehrenmitgliedschaft ist kein Berufs- oder Amtstitel, sondern wird allein von der Staatsoper auf Vorschlag des Direktors und mit Zustimmung des Betriebsrates und der Holding vergeben. Ehrenmitglied des Hauses kann werden, wer als außerordentlicher Künstler der Oper langjährig nahe gestanden ist oder sich sonst in außergewöhnlichem Maße um das Haus verdient macht. Bisher ging die Ehrenmitgliedschaft alleine mit einer Urkunde einher. Derzeit hat das Haus 44 lebende Ehrenmitglieder.