Manuskripte, Notizhefte und Skizzen, aber auch gespitzte Bleistifte und Fotografien sollen die "Materialität des Schaffensprozesses" ausstellen, so Kurator Klaus Kastberger.

Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), konnte gestern bei der Presseführung von einem über 50-prozentigen Anstieg der Besucherzahlen in den Ausstellungen im Prunksaal in den vergangenen zwei Jahren berichten. Auch die neue Schau, die bereits im deutschen Literaturarchiv in Marbach zu sehen war, wende sich "nicht nur an ein Fachpublikum, sondern an eine breite literaturinteressierte Öffentlichkeit".

"Warum schaffen es die Autoren des 20. Jahrhunderts nicht, zu solchen Ganzheiten zu kommen, wie sie dieser Prunksaal in katholisch-barocker Tradition verkörpert?" fragte Kastberger. Viele Romane der Moderne sind überhaupt Fragmente geblieben, andere "hatten die Tendenz, die Ganzheit von innen zu sprengen". Daher auch das Zeichen "Achtung Sprengung" auf dem Ausstellungsplakat. Die Kuratoren Kastberger und Bernhard Fetz, beide Mitarbeiter des Österreichischen Literaturarchivs, einer Sammlung der ÖNB, sind auch die Herausgeber des aufwändigen Katalogs, der noch durch ein Leseheft mit Texten der präsentierten Schriftsteller ergänzt wird.

Für das Verständnis der Ausstellung ist der Katalog mit seinen literaturwissenschaftlichen Beiträgen sehr wichtig, können Ausstellungsstücke wie die von Elias Canetti höchstpersönlich gespitzten Bleistifte oder Fotos der Heilstätte, in der sich Thomas Bernhard zur Behandlung aufgehalten hat, doch kaum eigenständig die Idee der Schau transportieren.

Weitere Ausstellungsstücke spüren dem oft schwierigen Verhältnis der Teile zum Ganzen in Werken von Frank Kafka über Karl Kraus, Robert Musil, Hermann Broch bis zu Konrad Bayer, Ingeborg Bachmann und Ernst Jandl nach.