Der beliebte Wiener Schauspieler Kurt Heintel ist in der Nacht auf Dienstag in Wien gestorben. Das gab das Theater in der Josefstadt, wo er in der Saison 1948/49 erstmals auf der Bühne stand, bekannt. Kurt Heintel, der seit 1993 Ehrenmitglied des Josefstadt-Theaters war, hatte erst kürzlich, am 24. November, seinen 78. Geburtstag gefeiert. Für März 2003 wäre seine nächste Premiere geplant gewesen: In Franz Molnars "Liliom" hätte er unter der Regie von Janusz Kica den Himmelvater spielen sollen. Heintel hatte 1997 eine schwere Herzoperation überstanden.

Josefstadt als "Heimat"

Heintel wurde am 24. November 1924 in Wien geboren. Ehe er sich für die Schauspielerei entschied, besuchte er die Kunstakademie und war als Zeichner und Illustrator für verschiedene Zeitungen tätig. Nach der Schauspielschule in Berlin bei Gustaf Gründgens debütierte er am Salzburger Landestheater. Dort entdeckte ihn Rudolf Steinboeck in einer Inszenierung von Bernhard Slaviceks "Kuckucksei" an der Seite von Annie Rosar und holte ihn 1949 für Zuckmayers "Barbara Blomberg" als Partner von Paula Wessely an das Theater in der Josefstadt. Dort zählte er seither zu den Stützen des Hauses. Abseits der Josefstadt wirkte er u. a. immer wieder in Salzburger "Jedermann"-Inszenierungen mit, war in rund 20 Spielfilmen und zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen. Heintel war u. a. Träger des Verdienstkreuzes der Republik Österreich, des Ehrenkreuzes für Verdienste um die Republik Österreich und der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold. 1985 wurde ihm der Professorentitel und 1988 der Titel Kammerschauspieler verliehen.

"Mit Kurt Heintel verliert nicht nur die ,Josefstadt', sondern die Theaterstadt Wien einen großen Schauspieler." So drückte der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny seine Betroffenheit über den Tod des Schauspielers Kurt Heintel aus. "Kurt Heintel hat wie kein anderer den Wiener Ton getroffen und war eine ganz besondere Stütze des Ensembles des Theaters in der Josefstadt", so Mailath-Pokorny, der ankündigte, dass die Stadt Wien die Grabstätte für Kurt Heintel ehrenhalber widmen werde, "um damit einmal mehr ihre Wertschätzung entgegenzubringen".

Betroffenheit Moraks

Auch Kunststaatssekretär Franz Morak zeigte sich über den Tod von Kurt Heintel betroffen: "Kurt Heintel war einer der großen unverwechselbaren Protagonisten der Josefstadt." "Auf Grund seines Tons, seiner schauspielerischen Arbeiten hat er den Standort der Josefstadt im Konzert der Wiener Theater und darüber hinaus bestimmt. Heintel war ein Verlässlicher, der dem Theater und seinem Publikum fehlen wird", so Morak abschließend.

"Die Josefstadt trauert", heißt es aus jenem Haus, dem Heintel seit der Saison 1948/49 treu verbunden war. Seine letzte Rolle hatte der Josefstadt-Doyen in den Kammerspielen 2001 in "Weekend im Paradies". Das Haus verlieh seinem Doyen 1993 die Ehrenmitgliedschaft und feierte 1999 in einer Matinee mit Heintel ein seltenes Dreifach-Jubiläum: 50 Jahre Bühne, 50 Jahre Theater in der Josefstadt und 75. Geburtstag. Von der Josefstadt aus unternahm der Schauspieler immer wieder Ausflüge an Bühnen in Zürich und Düsseldorf, an das Staatstheater München und nach Berlin, außerdem Tourneen durch Deutschland und die Schweiz, wo er unter anderem in einer "Emilia Galotti"-Inszenierung Fritz Kortners mitwirkte. In den USA gastierte er mit Hermann Bahrs "Das Konzert", und mit der Staatsoper Wien machte er eine Japan- und Fernosttournee als Selim Bassa in Mozarts "Entführung aus dem Serail".

Kurz nach Bekanntwerden des Todes hat der Radiosender Ö1 eine Programmänderung bekannt gegeben: Am Samstag, den 14. Dezember sendet Ö1 um 14 Uhr in der "Hörspielgalerie" das Stück "U-45 oder der Zahn der Zeit" von Reinhard Federmann, in dem Kurt Heintel mitwirkt.