"Hören Sie Wienerisch?" - Unter diesem Motto ist Matthias Bertsch vom Institut für Wiener Klangstil der Frage nachgegangen, ob es klangliche Erkennungsmerkmale gibt, wodurch sich die Wiener Philharmoniker von anderen Orchestern unterscheiden und welche musikalischen Merkmale das "Markenzeichen" der Wiener ausmachen. Fast 1.000 Personen beteiligten sich an den Hörtests, bei denen bei 21 Musikbeispielen Kurzausschnitte von Aufnahmen der Philharmoniker bzw. von anderen Orchestern zu hören waren.

Nach den ersten Auswertungen der Studie, die am Herbert von Karajan Centrum präsentiert wurden, kommt Bertsch zum Resümee, dass es hörbare Merkmale des Wiener Klangstils gebe - auch wenn von den 930 Probanden kein einziger alle 21 Musikbeispiele richtig zuordnen konnte. Auch nicht die befragten Profimusiker, und somit auch Mitglieder der Wiener Philharmoniker selbst, auch nicht die mitbeteiligten Dirigenten. Der individuelle Spitzenreiter mit 17 richtigen von 21 möglichen Zuordnungen war auch kein Österreicher, sondern ein türkischer Gitarrist.

Auszuschließen ist bei der Auswahl zwischen nur zwei Beispielen im Einzelfall natürlich nicht, ob der Befragte die Antwort richtig wusste oder richtig geraten hat. In der Statistik allerdings zeigt sich, dass bei 14 Hörbeispielen signifikant oft richtig "geraten" wurde oder eben doch (bewusst oder unbewusst) akustische Merkmale gehört wurden.

Bei einzelnen Beispielen waren auch erhebliche Unterschiede bei den Geschlechtern zu finden. Etwa bei Beethovens Siebenter, wo die Männer überwiegend besser abschnitten, während es bei Mahlers Fünfter die Frauen waren. Zum Beethoven-Track war eine Blechbläserstelle gewählt worden, bei Mahler dominierten die Streicher, womit es wohl die Profimusiker waren, bei denen "im Blech" Frauen nur spärlich vertreten sind, die den Ausschlag gegeben haben. Nicht immer hatten die Österreicher die signifikant höheren Trefferquoten, eher die in Wien geschulten Musiker aus Asien. Bei den ersten Takten von Brahms vierter Symphonie setzten 45 von 50 Musikstudenten in Athen die richtige Zuordnung und ließen alle anderen Gruppen hinter sich.

Die besonderen "Klang"- Merkmale konnten nur die Spezialisten zuordnen, während sich geübte Hörer doch mehr am Musizierstil orientierten. So können die Paukenspieler ihre Wiener Pauke erkennen, die nicht wie sonst weltweit üblich über Pedal, sondern von Hand aus gestimmt wird und die nicht mit Plastik oder Kalbfell, sondern mit Ziegenhaut bespannt ist. Die ewig strittige Frage, ob das Wiener Horn oder die Wiener Oboe - spezielle Musikinstrumente, die nur hier gespielt werden, die speziell ausgebildeter Musiker bedürfen und deren Herstellung spezielles Know-how verlangt - am tatsächlichen Klang und nicht nur am Stil der Musiker erkennbar ist, bleibt weiter umstritten. Milan Turkovic als Gast am Podium setzte über alle Spezifika des Instrumentenbaus den menschlichen Faktor. Jedes Fagott klinge anders, wenn es von einem anderen Menschen gespielt werde, meinte er zum Klang "seines" Instruments.