• vom 15.03.2001, 00:00 Uhr

Kultur

Update: 08.04.2005, 09:41 Uhr

Musikwissenschafter Walter Pass gestorben




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Von Edwin Baumgartner

Musikwissenschafter Universitätsprofessor Walter Pass ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 7. März im Alter von 59 Jahren gestorben.

Diese Nachricht trifft alle, die Pass kannten, über alle Maßen schmerzlich. Pass, 1942 in Feldkirch, Vorarlberg, geboren, studierte in Wien Musikwissenschaft, Germanistik, Musikerziehung, Dirigieren, Klavier und Gesang sowie in Linz und Rom Rechtswissenschaften, Theologie und Kirchenmusik. Schon seine durch die Studien ausgewiesenen Interessen zeigen ihn als umfassend gebildeten Menschen und wahren Humanisten.


Gut kann ich mich daran erinnern, wie Pass seinerzeit, zu Beginn meines Studiums, für uns alle den Geist der universitären Freiheit verkörperte. Seine Vorlesungen waren stets Gedankenaustausch, und Pass hatte die Größe, konträre Meinungen nicht nur zu respektieren, sondern ernsthaft zu diskutieren.

Im Rahmen einer Historischen Musikwissenschaft, deren Hauptvorlesungen damals primär die Musik der Renaissance betrachtete, ging Pass ins theaterwissenschaftliche "Exil", um über Arnold Schönberg vorzutragen. Gerade dieser Komponist war stets im Zentrum des Interesses von Pass. Dementsprechend veranstaltete er den Ersten Internationalen Schönberg-Kongress (Wien, 1974), ferner Kongresse über Anton Webern, Johann Strauß und Jacques Offenbach. Tatsächlich forschte Pass leidenschaftlich auch auf dem Gebiet der Operette, die er als Spiegel einer Gesellschaft betrachtete. Auf diesem Gebiet war Pass in Österreich ein Pionier. Darüber darf seine Reputation als Mittelalter-Experte und genauer Kenner der Musik der zypriotischen und bulgarischen Kirche nicht übersehen werden.

Pass litt in den letzten Jahren zunehmend unter den Folgen von Multipler Sklerose. Dennoch fand er Zeit und Energie, sich um seine Studenten, aber auch um Studienabgänger zu kümmern, deren Lebensweg er verfolgte. Er war, was ich nur wenigen Menschen seiner Profession nachrühme: ein Lehrer.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2001-03-15 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 09:41:00

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