• vom 17.01.2001, 00:00 Uhr

Kultur

Update: 08.04.2005, 09:42 Uhr

Maler und Schriftsteller Karl Bednarik 85-jährig in Wien gestorben

Warner vor Entindividualisierung




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Der Maler und Schriftsteller Karl Bednarik ist am Sonntag, dem 14. Jänner, im Alter von 85 Jahren in Wien gestorben.


Bednarik hat in seinen Romanen und Essays in den fünfziger bis siebziger Jahren frühzeitig vor den soziologischen Folgen einer vollautomatisierten Arbeitswelt gewarnt. Parallel dazu machte er sich einen Namen in der bildenden Kunst.

Bednarik wurde am 18. Juli 1915 in Wien geboren. Er machte eine Buchdruckerlehre, wurde 1934 aber wegen politischer Aktivität entlassen. Im Krieg wurde er mehrmals eingezogen und war im antifaschistischen Widerstand tätig. 1945 studierte er zwei Semester an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Es folgten eine Reihe von Ausstellungsbeteiligungen und Personalausstellungen sowie Ankäufe u. a. durch die Stadt Wien und die Albertina. Dazwischen arbeitete Bednarik in verschiedenen Berufen, als Redakteur, Fotograf, Metallspritzer und Elektroschweißer.

Seine praktischen Erfahrungen in der Arbeitswelt verarbeitete er in soziologischen Essays und Romanen. So beschrieb er in "Der junge Arbeiter von heute - ein neuer Typ" (1953) kritisch Spezialistentum und neu entstehende Betriebseliten. Sein 1954 erschienener, ins Utopische transponierter Roman "Omega Fleischwolf" warnte in expressionistischem Sprachduktus vor der Entindividualisierung und Manipulation des Menschen bei fortschreitender Automation. Weitere Publikationen sind u. a. "Der Tugendfall" (1953), "Die Programmierer" (1965) und "Die Unheimliche Jugend" (1969).

Von 1953 bis 1955 arbeitete Bednarik im Skript-Department des Senders Rot-Weiß-Rot und gestaltete in der Folge zahlreiche Radiosendungen. Ab 1957 verfasste er auch Drehbücher für das österreichische Fernsehen, vorwiegend über Themen der bildenden Kunst und Literatur. Von 1968 bis 1975 gab Bednarik die Reihe "Antworten" (Jugend & Volk) heraus, von 1975 bis 1980 leitete er die Galerie "Alte Schmiede" in Wien.

Zuletzt erschien 1997 im Eigenverlag der Familie und in einer "Handmade-Sonderauflage" von sieben Stück der autobiografisch geprägte Roman "Die Aplatas" über eine Arbeiterfamilie in Wien des Jahres 1927. Seine Autobiografie "W.I.W." blieb unvollendet.

Die Trauerfeier findet am 24. Jänner um 13.30 Uhr im Krematorium Simmering statt. Die Beisetzung am 26. Jänner erfolgt im engsten Familienkreis.



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Dokument erstellt am 2001-01-17 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 09:42:00


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