• vom 29.12.2000, 00:00 Uhr

Kultur

Update: 08.04.2005, 09:43 Uhr

Komponist Paul Kont im Alter von 80 Jahren gestorben

Erfinder der "Dritten Tonalität"




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Der österreichische Komponist Paul Kont ist, wie erst jetzt


bekannt wurde, am Dienstag (26. Dezember) im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit in Wien gestorben. Kont wurde wie kaum ein anderer mit so widersprüchlichen Attributen wie Avantgardist einerseits und Traditionalist andererseits versehen. Als sein bedeutendster Beitrag zur Musikgeschichte gilt seine Entwicklung der "Dritten Tonalität". Seine musikalischen Reformen hinterließ Kont nicht nur in einem umfangreichen und vielfältigen kompositorischen Werk, sondern auch in theoretischen Arbeiten wie dem Manifest "Entwurf einer Neuen Tonalität" (1971).

Kont wurde am 19. August 1920 in Wien geboren. Bis 1940 studierte er am Konservatorium der Stadt Wien Violine bei Vittorio Borri und Klavier bei Hans Nast, nach dem Krieg setzte er seine Studien bis 1949 an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien fort. Er belegte bei Josef Lechthaler Komposition, bei Hans Swarowsky und Josef Krips Dirigieren und nahm bei Josef Polnauer Privatunterricht in Formanalyse nach Schönberg-Webern. Weiters bildete er sich bei den Darmstädter Ferienkursen und in den fünfziger Jahren in Paris bei Darius Milhaud, Olivier Messiaen und Arthur Honegger fort.

Parallel dazu war Kont bereits seit 1945 als freischaffender Komponist, Pianist, Dirigent und Musikschriftsteller in Wien, Berlin und Rom tätig. Von 1969 bis 1980 war er Lehrbeauftragter für das neue Fach "Komposition für Audiovisuelle Medien" an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, von 1980 bis 1986 war er dort ordentlicher Professor für Komposition.

Nach seiner Entwicklung eines aus der Klavierimprovisation abgeleiteten polytonalen Stils und seiner so genannten "Komplexen Technik" und über die Beschäftigung mit der Dodekaphonie gelangte Kont in den fünfziger Jahren zu einer Gegenposition zur seriellen Musik und in weiterer Folge ab 1963 zur "Dritten Tonalität" oder "Weite". Dabei werden keine harmonischen Funktionsschritte gesetzt, sondern die einzelnen Stimmen diatonisch in reinen Intervallen teils weit verzweigt auseinander geführt, was in der Vielstimmigkeit zu oft irrealen Zusammenklängen führt. Ihre stärkste Ausformung findet diese in seinem Buch "Antiorganikum" ausgeführte Theorie in Konts 1970 uraufgeführten Oratorium "Vom Manne und vom Weibe" nach Josef Weinheber.

Parallel zu diesen Reformschritten arbeitete Kont vor allem bei den bereits während des Krieges melodisch skizzierten und bis 1977 ausgearbeiteten Liedern mit einer "Methode metrischer Motive", bei der Motivik, Melodik und Form aus Versfuß, Vers und Strophe geschöpft sind. Konts Spätwerk stellt eine angewandte Synthese der verschiedenen Reformschritte dar.

Kont erhielt im Lauf seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen, neben einer Reihe von Förderungspreisen u. a. 1964 den Österreichischen Staatspreis für Musik für sein Werk "Traumleben", 1975 den Musikpreis der Stadt Wien, 1976 den Würdigungspreis des Unterrichtsministeriums, 1986 die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien und 1987 das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Zur Feier seines 80. Geburtstags fanden Ende November ein Festkonzert in der Österreichischen Nationalgalerie und eine Hommage im Radiokulturhaus im Rahmen des Zeit-Ton-Festivals statt.



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Dokument erstellt am 2000-12-29 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 09:43:00


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