Andre Turnheim, Mitglied des dreiköpfigen Kuratoriums für die Wiener Off- und Tanztheater-Szene, hatte den Entschluss für die Streichung im Juni damit begründet, dass die Angebote des Wiener Lesetheaters "im Gesamtkontext nicht stark genug" seien. Die aktuellen Aktivitäten des Lesetheaters glichen einer "klassischen Lesung", auch die "Menge und Beliebigkeit der ausgewählten Texte" sowie die Qualität der Lesungen selbst wurden als unzureichend für eine Subventionszusage bewertet.

Auf Anfrage der APA erklärte Renate Rapf, Mediensprecherin von Mailath-Pokorny, dass die Subvention für heuer nun aus dem Literaturbudget der Stadt bereitgestellt werde. "Ich freue mich, dass wir damit einen wichtigen Beitrag zum Bestand dieser für Wien einzigartigen Institution leisten", so Mailath-Pokorny in der Aussendung. "Diese Form der breiten Literaturpflege und ein sehr demokratischer und offener Zugang zu Theater und Literatur sind absolut förderungswürdig."

Das Erste Wiener Lesetheater in der Seidengasse wurde 1990 durch Rolf Schwendter initiiert und verzeichnet bereits insgesamt 1.250 organisierte Lesungen, die ausschließlich bei freiem Eintritt stattfanden. Der Verein sieht seine Aufgabe in der Förderung von deutschsprachigen Autoren und auf "vergessene und weitgehend unbekannte oder nie gespielte Stücke" aufmerksam zu machen.