• vom 16.11.1999, 00:00 Uhr

Kultur

Update: 11.04.2005, 15:00 Uhr

Sachbuch

Provenienzen gefälscht?




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    Mit dem zweibändigen Buch "Die Fälschung" setzt Autor und Verleger Hubertus Czernin die in seinem Verlag begonnene Reihe einer Bibliothek des Raubes fort, denen nach dem "Fall Thorsch" und dem


    "Fall Rothschild" im Frühjahr 2000 zwei weitere Bände folgen sollten. "Die Fälschung" zeichnet die Geschichte des österreichisch-tschechoslowakischen Zuckerindustriellen und Mäzens Ferdinand Bloch-

    Bauer nach, die Umstände des Raubs seines Vermögens durch die Nazis, vor allem aber die Register, mit denen das Nachkriegs-Österreich versuchte, jüdisches Vermögen nicht zurückzugeben.

    Über den (jetzt von den Erben vor Gericht gebrachten) Fall von sechs Klimt-Gemälden, die die Österreichische Galerie als Legat nach Adele Bloch-Bauer für sich beansprucht, stellt Czernin nach den

    Ergebnissen zweijähriger Forschungsarbeit seines Teams aber auch die Provenienz einer Reihe weiterer Klimt-Bilder in Frage. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass die Angaben zur Besitzerkette im

    Werkverzeichnis des früheren Direktors der Österreichischen Galerie Fritz Novotny und des Kunsthistorikers Johannes Dobai möglicherweise nicht irrigerweise falsch sein dürften, sondern bewusst Spuren

    zu den wirklichen Eigentümern zu verwischen suchen.

    Zentrale Figur ist hier der Filmregisseur Gustav Ucicky. "Die Fälschung" legt dar, wie Ucicky, als früherer Nazi und Erfolgsregisseur eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut hat. Das Buch listet

    eine Serie von Bildern auf, die sich möglicherweise noch immer im Besitz der Witwe befinden.

    Von 32 Klimt-Bildern der Österreichischen Galerie seien laut Hubertus Czernin zumindest 13 Bilder (einschließlich der fünf Klimts aus der Sammlung Bloch-Bauer) von zweifelhafter Herkunft. Insgesamt

    werden fast 20 Bilder aufgelistet, deren Herkunft im Dunkel liegt oder womöglich verdunkelt wurde.

    Neben der "Arisierung" des Vermögens von Ferdinand Bloch-Bauer nimmt der Kampf der Erben des 1945 im Zürcher Exil verstorbenen Industriellen um Rückerstattung von geraubten Vermögen breiten Raum ein.

    Das Verhalten Österreichs hat dabei Karl Renner festgelgt: "Selbst wenn es Platz gäbe, glaube ich nicht, dass Österreich in seiner jetzigen Stimmung Juden noch einmal erlauben würde, diese

    Familienmonopole aufzubauen", schrieb Renner 1946.




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    Sachbuch

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 1999-11-16 00:00:00
    Letzte Änderung am 2005-04-11 15:00:00

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