Wien. Es war kein ungeschickter Umgang mit einem Scanner, kein leicht alkoholisierter Verlagsleiter - aber im Grunde war es auch kein Scherz, sondern Ironie mit tieferer Bedeutung:

Die rechtschreibfehlerübersäte Ausgabe von Franz Kafkas Roman-Fragment "Das Schloß", die angeblich von der EU finanziert und an tausende Schulen in Österreich und Deutschland versendet wurde, ist eine Aktion, mit der die nach eigenen Angaben rund 100 Personen umfassende Gruppe "The BirdBase" auf den Bildungsverfall hinweisen will. Das schrieb die Tageszeitung "Die Presse" am Donnerstag.

"Wir wollen, dass über das Bildungs- und Schulsystem in Österreich gesprochen wird, wir wollen, dass ein Land wieder redet, denkt und nicht vor sich hin schweigt. Denn wenn sich nichts ändert, werden vielleicht in 20 Jahren solche Bücher der Normalfall sein", sagt Elisabeth S., die Sprecherin der Gruppe.

Die EU-Förderung für das Kafka-Buch war ebenso frei erfunden (tatsächlich flossen überhaupt keine öffentlichen Fördergelder) wie der Versand an tausende Schulen in Deutschland und Österreich. Gedruckt wurden 1000 Ausgaben zum Preis von 2000 Euro in Polen, die an neun Schulen in Österreich und Deutschland verschickt wurden. In den Roman hat "BirdBase" knapp 1850 Rechtschreibfehler "hineinkorrigiert". Auch die an die Medien übermittelte Stellungnahme des Verlegers, der zufolge Rechtschreibfehler doch kein Problem darstellten und die ganze Aufregung "totalitäres Geschwätz" sei, sowie der grotesk fehlerhafte Internet-Auftritt des (in Wahrheit inexistenten) Verlags Gehlen & Schulz gehörten zu der Aktion.

Die Gruppe betrachtet es als symptomatisch, dass sich die Medien vorwiegend über die Verschwendung von EU-Geldern erregten, nicht jedoch über "das niedrige Bildungsniveau", dessen Ausdruck dieses Buch sei.

Für das kommende Jahr kündigt die Gruppe weitere Aktionen an, ob ebenfalls zum Thema Bildung, ließ man offen.