• vom 05.02.2013, 16:51 Uhr

Kultur

Update: 05.02.2013, 17:08 Uhr

Sylvia Eckermann

Im Takt der Stille




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Von Manisha Jothady

  • Die Medienkünstlerin Sylvia Eckermann beschreitet im Kunstraum Bernsteiner neue Wege
  • Seit Mitte der 1980er Jahre Pionierin der digitalen Kunst in Österreich.

Wien. Sie gilt als Pionierin der digitalen Kunst in Österreich, bespielte bisher Kunstinstitutionen und öffentliche Räume mit interaktiven Multimedia-Installationen, in denen der Betrachter zum Akteur inmitten komplexer, computergenerierter Environments aus Bildern und Klängen wurde. Heute, über zwei Jahrzehnte später, blickt Sylvia Eckermann auf ihre Tätigkeit in einem künstlerischen Feld zurück, das sich hierzulande ab Mitte der 1980er Jahre allmählich Bahn zu brechen begann. Learning-By-Doing-Künstler setzten damals eine Entwicklung in Gang, auf welche die Kunstuniversitäten und Ausstellungshäuser erst Jahre später mit entsprechenden Ausbildungsangeboten und Ausstellungsformaten reagierten. Es waren Computerurgesteine wie der Commodore Amiga, die am Beginn dieser Kunst standen und in jene virtuellen Realitäten mündeten, die uns heute selbstverständlich geworden sind. "Ich war fasziniert von der digitalen Immaterialität mit der sich ganze Räume füllen ließen, fasziniert von der Tatsache, dass man nur den Stecker ziehen musste, um alles wieder zum Verschwinden zu bringen", sagt Eckermann rückblickend. Dabei bezog sie ihre Anregungen vielfach aus dem Bereich der Computerspiele. Der Begriff Game-Art sollte erst später in der Kunstwelt kursieren.

Medienkünstlerin Sylvia Eckermann vor der "Kartografie des Unbestimmten".

Medienkünstlerin Sylvia Eckermann vor der "Kartografie des Unbestimmten".© Foto: Katharina Stögmüller Medienkünstlerin Sylvia Eckermann vor der "Kartografie des Unbestimmten".© Foto: Katharina Stögmüller

Multisensorisch in 3D
Wer 2008 das Museum Stein in Krems besuchte, wähnte sich auf einem kulturhistorischen Trip ins 17. Jahrhundert. Gemeinsam mit dem Künstler Gerald Nestler und grundiert durch den Sound des Klangkünstlers Peter Szely schuf Eckermann dort unter "Der neunte Himmel" eine multisensorische 3D-Umgebung, die den Betrachter auf jene Reise schickte, die einst ein Jesuitenpater aus Stein nach China unternahm. Ein Jahr später, im Rahmen des steirischen herbst, realisierte sie als Reaktion auf die Finanzkrise die Arbeit "The Trend Is Your Friend". Der Betrachter wurde hier zum Broker, konnte durch verschiedene Interaktionen Waren- und Finanzströme mitgestalten.


Mit bloßem Auge
2010 erfolgte dann eine Abkehr von großen Erzählungen und brisanten Themen. In Form eines zehnteiligen, digitalen Tafelbildkomplexes, den sie mit dem Titel "Naked Eye" (mit bloßem Auge) versah, konfrontierte die Künstlerin ihr Publikum nun mit grundsätzlichen Fragen zum Ausstellen digitaler Bilderwelten. Die Überlegung wie sich das Ephemere, das digitaler Kunst unweigerlich anhaftet, zumindest für einen Augenblick festhalten lässt, mag das Projekt begleitet haben. Die Bandbreite der Motive umfasste schemenhafte Darstellungen von Körperteilen, von Natur sowie abstrakte Sujets. Die bewegten Bilder schienen die Grenzen der sie rahmende Projektionsleinwände gleichermaßen zu überschreiten, wie sie durch eben diese im Raum verankert wirkten. Was sich in "Naked Eye" vollzog, war ein gekonnter Grätschakt zwischen haptischer und immaterieller Wahrnehmung. Für Sylvia Eckermann war es ein erster Schritt heraus aus einer Welt, die einfach verschwindet, wenn man den Stecker zieht.

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Dokument erstellt am 2013-02-05 16:53:06
Letzte Änderung am 2013-02-05 17:08:32


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