Torberg übersetzt Brecht

Es ist evident, dass die Ausschussmitglieder Bert Brecht mit Torbergs Ausarbeitungen in Bedrängnis brachten. Bei der Diskussion um "Die Maßnahme" verliert Brecht sogar den Faden. Erst als es um das "Solidaritätslied" geht und ihm eine englische Übersetzung Torbergs vorgelesen wird, ist er wieder obenauf. Frage: "Haben Sie das geschrieben, Herr Brecht?" - "Nein. Ich habe ein deutsches Gedicht geschrieben, aber es unterscheidet sich sehr stark von diesem hier." Im Protokoll findet sich der Vermerk "Gelächter".

Torbergs Entscheidung, den Kontakt mit Louise abzubrechen, ist verständlich. Hätte er, der erklärte Antikommunist, mit Louise weiter korrespondiert, wäre er in den Verdacht geraten, ein Kommunist zu sein. Das Telefon der Eislers wurde abgehört, Briefe wurden abgefangen.

Torbergs letztes Schreiben an Louise, datiert mit 24. November 1946, ist so verfasst, dass es zum Bruch kommen muss. Er hat ein knappes Jahr lang nicht geantwortet, jetzt schreibt er: ". . . aber es wäre wohl auch im Fall einer sofortigen Reaktion nicht viel zu ‚antworten‘ gewesen: weil Dein Brief, in den edelsten Traditionen femininer Korrespondenzführung, zwar kurz, aber dafür ziemlich inhaltslos war."

Es gibt Spekulationen, dass später Ulrike Meinhof in Stammheim das Lied "Lob der Partei" aus "Die Maßnahme" in ein "Lied der RAF" umgedichtet hat. Vielleicht diente Brechts Stück sogar zur Stilisierung des Selbstmordes als Opfertod.

Louise Eisler-Fischer dürfte von Torbergs FBI-Aktivitäten gegen Brecht - lange vor dem in Österreich inszenierten Brecht-Boykott - nichts gewusst haben. Als Marietta Torberg 1988 bei ihr die Bewilligung einholen will, den Briefwechsel aus dem Jahr 1945 zu veröffentlichen, lehnt Louise das ab: "Ich war viele Jahre mit Fritz Torberg befreundet, bis er nach Österreich kam; da wurde er zu meinem Feind."