• vom 30.08.2013, 16:07 Uhr

Kultur

Update: 30.08.2013, 16:27 Uhr

Nordkorea

Auf Bibelbesitz steht Tod




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Edwin Baumgartner

  • Nordkorea
  • Popsängerin war zeitweise die Frau an der Seite des Staatsoberhaupts, nun soll sie exekutiert werden.

Der Diktator und seine Geliebte, als zwischen ihnen noch alles in Ordnung war. Jetzt hat Nordkoreas Kim Jong-un (r.) die Popsängerin Hyun Song-wol (im Bild l.) und den Musiker Mun Kyong-jin wegen Pornographie und des Besitzes einer Bibel hinrichten lassen.

Der Diktator und seine Geliebte, als zwischen ihnen noch alles in Ordnung war. Jetzt hat Nordkoreas Kim Jong-un (r.) die Popsängerin Hyun Song-wol (im Bild l.) und den Musiker Mun Kyong-jin wegen Pornographie und des Besitzes einer Bibel hinrichten lassen.© epa Der Diktator und seine Geliebte, als zwischen ihnen noch alles in Ordnung war. Jetzt hat Nordkoreas Kim Jong-un (r.) die Popsängerin Hyun Song-wol (im Bild l.) und den Musiker Mun Kyong-jin wegen Pornographie und des Besitzes einer Bibel hinrichten lassen.© epa

Pjöngjang. "Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode", lässt William Shakespeare seinen Polonius in "Hamlet" sagen. Doch dieser Wahnsinn scheint reiner Wahnsinn ohne Methode, gegründet auf irrationalem Hass.

Wobei die Hinrichtung von Hyun Song-wol durch ein Erschießungskommando durchaus etwas von dem shakespeareschen Familiendrama hat. Denn die nord-koreanische Popsängerin war einige Zeit die Frau an der Seite Kim Jong-uns, als dieser noch nicht Nordkoreas Diktator war. Der damalige Diktator des Landes, Kim Jong-uns Vater Kim Jong-il, erzwang die Trennung, Hyun Song-wol heiratete einen Soldaten, doch sollen Kim Jong-un und sie die Liaison Gerüchten
zufolge einige Zeit fortgesetzt haben.


Angehörige mussten bei
der Exekution zusehen

Die Sängerin ist nicht das einzige Opfer der jüngsten Gewalt gegen Künstler in Nordkorea: Laut der südkoreanischen Zeitung "Chosun Ilbo" wurden gemeinsam mit Hyun Song-wol mehrere Musiker des Unhasu Orchestra sowie Sänger, Tänzer und Musiker der Wangjaesan Light Music Band vor das Exekutionskommando geführt. Unter den Hingerichteten ist auch Mun Kyong-jin, der Leiter des Unhasu Orchestra. Pikanterie am Rande: Kim Jong-uns Ehefrau Ri Sol-ju war Sängerin des Unhasu Orchestra und damit eine Kollegin des Exekutierten, obwohl sie das selbst nicht wahrhaben darf. Denn von politischer Seite wurde intensiv versucht, ihre Vergangenheit als Sängerin auszulöschen, weil sie sonst in ihrer gesellschaftlichen Stellung zu minder wäre als Frau des Staatsoberhaupts.

Die Angehörigen der verurteilten Künstler mussten zusehen, wie diese Menschen mit Maschinengewehrsalven erschossen wurden. Die Verhaftungen waren den Berichten zufolge am 17. August vorgenommen worden, das Todesurteil soll nur drei Tage später vollstreckt worden sein.

Einer der Vorwürfe gegen die Künstler lautete, sie hätten sich selbst beim Sex gefilmt und Videos verkauft, auch nach China. Das widerspricht den nordkoreanischen Pornographie-Gesetzen.

Doch es gab einen zweiten Vorwurf, und er bedeutet das sichere Todesurteil: Die Delinquenten waren im Besitz einer Bibel. Damit gelten sie in dem Land, das nach der vom Kommunismus abgeleiteten Chuch’e-Ideologie regiert wird, als Dissidenten.

Folter und Lager für
an die 70.000 Christen

So veröffentlichte im Jänner des laufenden Jahres das christliche Hilfswerk Open Doors den Weltverfolgungsindex 2013. Aus ihm geht hervor, dass Nordkorea noch vor Saudi-Arabien und Afghanistan zum elften Mal den traurigen Spitzenplatz in der weltweiten Christenverfolgung einnimmt.

Auch unter Kim Jong-un werden Christen ihres Glaubens wegen hingerichtet oder mit ihrer ganzen Familie in Arbeitslager gebracht. Open Doors schätzt, dass derzeit 50.000 bis 70.000 Christen in solchen Lagern interniert sind und gezielt zu Tode gefoltert werden.

Christen gelten in Nordkorea als gefährliche politische Feinde, weil sie die gesetzlich verankerte gottgleiche Verehrung von Staatsgründer Kim Il Sung sowie dessen 2011 verstorbenem Sohn Kim Jong Il ablehnen. Ihren Glauben können die etwa 200.000 bis 400.000 Christen in Nordkorea nur heimlich leben.

Für ein Buch, das im Westen zunehmend an Bedeutung verliert, wird in Nordkorea also gestorben. Auch das ist eine Lehre, die man aus der Tragödie von Hyun Song-wol und Mun Kyong-jin mitnehmen kann.




Schlagwörter

Nordkorea

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-08-30 16:11:03
Letzte Änderung am 2013-08-30 16:27:07


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sex mit Zeus
  2. Europäische Serien dominierten Emmy Awards
  3. Was ist "das Leitkultur"?
  4. Versprochene Paradiese und tatsächliche Höllenfahrten
  5. Red-Bull-Media expandiert
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Presserat rügt "Wochenblick"
  4. Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin
  5. Venus, Warhol oder Papagei

Werbung





Werbung