• vom 09.10.2013, 08:31 Uhr

Kultur

Update: 09.10.2013, 08:36 Uhr

Im französischen La Ciotat

Ältestes Kino der Welt wird wiedereröffnet




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Von Anne Beade/AFP

  • Kinosaal aus 1899 lag ab 1995 still und verfiel.

La Ciotat. Die verstaubten Kinositze wurden durch elegante Velours-Sessel ersetzt, die Wände im Saal wie einst in kräftigem Rot gestrichen, und auch die ockerfarbene Außenfassade erstrahlt wie vor hundert Jahren: Nach einem langen Dornröschenschlaf eröffnet das älteste Kino der Welt, das Eden-Theatre im südfranzösischen Badeort La Ciotat, wieder seine Pforten. Französische Filmstars wie Juliette Binoche werden am Mittwochabend zur Feier in das legendären Kino kommen, das eng mit der Geschichte der Film-Pioniere Louis und Auguste Lumiere verbunden ist.

Es war der 21. März 1899, als rund 250 Zuschauer in dem prunkvollen Saal des Eden-Theatre voller Spannung der Ausstrahlung von einigen der ersten Filme der Gebrüder Lumiere beiwohnten. Die Geburtsstunde des Films, die erste öffentliche Aufführung der Lumiere-Brüder in Paris, lag da zwar schon vier Jahre zurück. Aus der Zeit hat aber kein anderes Kino überlebt, das Eden-Theatre gilt daher als ältestes Kino der Welt.


Doch auch das Schicksal des Eden war lange Zeit ungewiss. Der Kino-, Konzert- und Theatersaal, in dem unter anderem der berühmte französische Komiker Fernandel und Chanson-Legende Yves Montand frühe Auftritte hatten, geriet in den 1980er Jahren immer mehr in Schwierigkeiten.

Bevölkerung kämpfte um Wiedereröffnung

Nicht nur wurde der Geschäftsführer bei einem Raubüberfall getötet. Weil die Werften in der Region dicht machten, blieb zunehmend das Publikum weg. Das Kino schloss und wurde nur noch eine Woche im Jahr für ein kleines Filmfestival geöffnet. 1995 wurde es dann aus Sicherheitsgründen ganz zugesperrt und verfiel zusehends.

Doch eine Handvoll Bewohner in dem eine halbe Stunde von Marseille entfernt liegenden La Ciotat mit seinen 35.000 Einwohnern wollte das nicht hinnehmen - und kämpfte über Jahre für eine Wiedereröffnung des Kinos. Dass für eine Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes genügend Mittel zusammenkamen, liegt auch daran, dass Marseille und die umliegende Region dieses Jahr europäische Kulturhauptstadt sind. Und so konnten die historische Filmstätte für sechs Millionen Euro saniert werden. Die alte Holzkonstruktion im Kinosaal, die zusammenzubrechen drohte, wurde verstärkt, auf dem Boden wurde neues, dunkles Eichenparkett verlegt, und auf der Empore laden restaurierte Sessel aus den Anfangstagen des Kinos zum gemütlichen Sitzen ein.

Zug-Film aus La Ciotat

Auf die Außenfassade soll bei Dunkelheit ein Zug projiziert werden - eine Hommage an den berühmten Lumiere-Stummfilm "Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat", der in dem Mittelmeerort gedreht wurde, in dem die Familie Lumiere häufig den Sommer verbrachte. Das Kino soll aber auf keinen Fall "ein Mausoleum der Film-Geschichte" werden, wie der Leiter des Kulturhauptstadt-Jahrs, Francois Chougnet, sagt. Sondern ein lebendiges und privat betriebenes Kino.


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Dokument erstellt am 2013-10-09 08:32:20
Letzte Änderung am 2013-10-09 08:36:47


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