Wien. Als Menschen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in die - nach den damaligen Gegebenheiten erreichbare - tiefste Tiefe und höchste Höhe vorstießen, war natürlich eine Kamera dabei. Und die Bilder der Tiefseekugel, mit der Forscher am 15. August damals sensationelle 923 Meter unter den Meeresspiegel tauchten, landeten ebenso im "National Geographic Magazine" wie die Aufnahmen des Heliumballons, mit dem am 11. November 1935 die Rekordhöhe von 22.000 Metern erklommen wurde. Dass zum Stratosphärenflug auch eine flotte populärwissenschaftliche Reportage erschien, in der Details wie die eingefrorenen Sandwiches der Forscher nicht zu kurz kamen, entsprach dem Wesen dieser Zeitschrift. Begonnen hatte sie gleichzeitig mit der 1888 gegründeten US-amerikanischen National Geographic Society als deren Vereinsblatt, ehe sich das Heft ab den 1890er Jahren zu einer der ersten Adressen des Fotojournalismus entwickelte.

Weite Welt im Wohnzimmer

Im 125. Jahr ihres Bestehens umfasst das Bildarchiv der Society rund 11,5 Millionen Fotos, davon fast 500.000 Schwarz-Weiß-Vintage-Prints. Erstmals in Europa präsentiert nun das Fotomuseum Westlicht in Wien eine Auswahl aus diesen Schätzen, 200 Fotos auf Silbergelatinepapier, von den Anfängen des Magazins bis in die Zeit um 1950. Die ältesten Aufnahmen zeigen Berggipfel in Russland (um 1890) und Holzarbeiter vor einem gefällten Mammutbaum im Sequoia Nationalpark in Kalifornien (1892), eine der jüngsten stellt fast idyllisch eine Familie in Nevada dar, die von ihrem Garten aus einen im Hintergrund sichtbaren Atomtest beobachtet (1952). Die Schau konzentriert sich auf die Schwarz-Weiß-Fotos. Farbbilder, wie es sie ab 1914 fallweise und ab 1950 dominant im Magazin gab, sind nur in rascher Folge als Projektionen am Rande (aber auch nur Aufnahmen bis etwa 1950) oder vereinzelt in aufgeschlagenen Heften in Vitrinen zu sehen.

Das Magazin wollte, wie es Kuratorin Rebbeka Reuter formulierte, "die weite Welt ins Wohnzimmer bringen", unter anderem, so ihr Kollege Fabian Knierim, durch die bildliche Gegenüberstellung der "majestätischen Natur und eines winzigen Männleins", etwa in der Kulisse der Antarktis. Aber auch die Abbildung eines ganzen amerikanischen Kavallerietrupps mit einem einzigen Mammutbaum gehört in dieses Genre.

Das ursprünglich vor allem auf die Erweiterung geographischer Kenntnisse angelegte Projekt widmete sich bald auch intensiv dem technischen Fortschritt, kein Wunder, war doch 1897 der Erfinder Alexander Graham Bell Präsident der National Geographic Society geworden. Das Magazin widerspiegelte den menschlichen Pioniergeist, zeigte die Naturschönheiten ferner Länder (so zum Beispiel in der Ausstellung ein wunderschönes Bild von 1936 aus Australien mit drei springenden Kängurus), servierte Exotisches aber oft noch mit einem vom Kolonialismus geprägten Blick.