New York. Der Mohr und der Blondl haben ihre Schuldigkeit getan, der Mohr und der Blondl können bleiben, wo sie herkommen. Am vergangenen Wochenende fand in New York das jährliche "Festival Neue Literatur" statt, im Rahmen dessen deutschsprachige Autorinnen und Autoren einem amerikanischen Publikum präsentiert werden (zwei deutsche, zwei aus der Schweiz, zwei aus Österreich, diesmal Maja Haderlap und Milena Michiko Flasar). Drei Tage lang lasen sie aus ihren Werken, redeten über ihre Zugänge zum Schreiben und über ihre jeweiligen Hintergründe (die Mehrheit der heuer in Manhattan und Brooklyn auftretenden Schriftsteller teilen einen Migrantenhintergrund beziehungsweise die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit in ihrem jeweiligen Land).

Fred Astaire mit Blackface: Heutzutage eine rassistische Beleidigung, für die nun auch der Opernball 2014 in die Geschichte eingehen wird. Kein Gewinn für das Image Österreichs. - © John Springer Collection/Corbis
Fred Astaire mit Blackface: Heutzutage eine rassistische Beleidigung, für die nun auch der Opernball 2014 in die Geschichte eingehen wird. Kein Gewinn für das Image Österreichs. - © John Springer Collection/Corbis

Mit großem Erfolg: Nahezu alle Veranstaltungen in Manhattan und Brooklyn waren voll von Menschen, keine Kleinigkeit in einer, was ihr Kulturangebot angeht, extrem verwöhnten Stadt. Was man in einem derart distinguierten Umfeld teils hochgebildeter, belesener und weltaufgeschlossener Leute nicht erwartet hätte, waren heuer die Fragen, mit denen sich einer, der sich als quasi teilnehmender Beobachter im Dienste einer Wiener Zeitung zu erkennen gab, hinter (bisweilen buchstäblich) vorgehaltener Hand konfrontiert sah: "Können Sie mir erklären, was da passiert ist?" "Ist das normal in Österreich, dass sich Leute das Gesicht zum Spaß schwarz anmalen und Leute beleidigen?" "Ist Österreich wirklich so rassistisch wie immer alle sagen?"

Ignoranz, nicht Absicht

Ganz im Ernst. Ein New Yorker Literaturfestival ist wahrscheinlich einer der letzten Orte, an denen man erwartet, Fragen über das beantworten zu müssen, was am Wiener Opernball passiert ist. Aber nachdem das, was sich dort heuer abgespielt hat, derart daneben war, dass in manchen Berichten angesichts der normativen Kraft des Wahnsinnigen zunächst von der Tat eines "geistig Verwirrten" die Rede war, hielt das Thema folgerichtig auch Einzug in Zirkel, deren Interesse für das Treiben Prominenter sich sonst in Grenzen hält.

Tatsächlich fand das, was der Puls4-Mitarbeiter und der deutsche Komiker am Donnerstagabend vergangener Woche angerichtet haben, binnen Stunden ein weltweites Echo. Den Anfang hatte, wie meistens in den neun Jahren seit seiner Gründung, der in Los Angeles ansässige und in seiner Klientel so gefürchtete wie gewöhnlich gut informierte Celebrity-Nachrichtendienst TMZ unter seinem Chef Harvey Levin gemacht.