• vom 26.05.2014, 07:30 Uhr

Kultur

Update: 30.05.2014, 12:57 Uhr

Fotografie

"Ich erkunde den urbanen Irrgarten"




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Von Adrian Lobe

  • Der US-amerikanische Fotograf Peter Wegner transformiert die Skyline von New York in flüchtige Strukturen.

Verkehrte Welt: Der Fotograf Peter Wegner stellt in seinen Bildern die Hochhäuser auf den Kopf und zeigt "Buildings made of Sky" - eine Stadt, die niemand baute, die keinen Namen trägt und die dennoch vorhanden ist. Er geht der Frage nach, inwiefern das Flüchtige und Vergängliche dieser Stadt aus Luft unsere Wahrnehmung prägt. - © Peter Wegner, Buildings Made of Sky III, 2009 Buildings Made of Sky III, 2009 (Detail) Courtesy: Galerie m Bochum

Verkehrte Welt: Der Fotograf Peter Wegner stellt in seinen Bildern die Hochhäuser auf den Kopf und zeigt "Buildings made of Sky" - eine Stadt, die niemand baute, die keinen Namen trägt und die dennoch vorhanden ist. Er geht der Frage nach, inwiefern das Flüchtige und Vergängliche dieser Stadt aus Luft unsere Wahrnehmung prägt. © Peter Wegner, Buildings Made of Sky III, 2009 Buildings Made of Sky III, 2009 (Detail) Courtesy: Galerie m Bochum

New York. Zwei Typen von Architektur definieren unsere Städte. Die Gebäude, die wir sehen, und die Gebäude, die wir nicht sehen. Der Raum ist voller Schattenstrukturen, denen die monumentalen Bauten die Schau stehlen.


Der US-amerikanische Fotograf Peter Wegner sagt, wir fokussieren uns auf das Falsche. In dem Raum zwischen den ikonischen Bauwerken, die die Passanten in Megacitys wie New York erblicken, verbirgt sich eine weitere Struktur, eine, die in den Farben des Horizonts gekleidet ist. Wegner nennt diese "Buildings Made of Sky".

Stadt aus Luft
Der Fotograf, 1963 in Sioux Falls in South Dakota geboren, hat die Skylines von New York, Chicago und San Francisco auf unkonventionelle Weise fotografiert: umgekehrt. Die auf dem Kopf stehenden, unterbelichteten Wolkenkratzer konturieren eine helle Form aus Himmelblau, die wie ein umgedrehtes Hochhaus aussieht. Verkehrte Welt. Die Hochhausschlucht erwächst zu einem Gebäude. In der Gesamtschau verdichtet sich das Ensemble der Häuser zu einer Entität.

Zwischen den Gebäuden entsteht eine neue Stadt. Sie ist unsichtbar - eine Stadt, die niemand baute. In dieser Stadt sind Gebäude nicht aus Zement oder Stahl, sondern aus Luft. Wegner transformiert die Stadt in flüchtige Strukturen. Es ist ein frappierendes Vexierspiel: Die ikonografischen Hochhäuser werden zu einem amorphen Hintergrund, zur Staffage eines imaginären Bauwerks. Wände sind für Wegner "Fakten und Fassaden, unmissverständlich aber auch unsichtbar, offensichtlich und mysteriös." Wegner fotografiert am liebsten in den Morgen- und Abendstunden, wenn sich die City in ein "glattes Origami" verwandelt. Betrachtet man die Fotografien aus der Distanz, denkt man, man stehe vor einem Trugbild. Man weiß nicht, was man eigentlich sieht. Erst wenn man sich nähert, erkennt man die umgedrehten Leuchtreklamen und Fenster der Wolkenkratzer.

Das Chrysler Building, dunkel schattiert, spielt auf den Fotos nur eine Statistenrolle - als Schattenumriss. Diese Kunst ist das Gegenteil der Architektur - sie ist anti-ikonisch. Wegner macht mit seinen Fotografien eine Form sichtbar, die man im Getriebe der Großstadt verkennt - das Immaterielle.

In einem Interview sagte er: "Wir legen enormen Wert auf Dinge, die wir, die Menschen, kreieren. In New York City merken wir das an den Gebäuden. Natürlich sind sie groß und wichtig. Aber im Vergleich zu was? Nicht zum Himmel. Wir fokussieren uns auf das Falsche. Nehmen Sie 9/11. An diesem Tag begann die City mit den zwei höchsten Gebäuden auf der Welt - und endete mit einem Himmel, wo die Gebäude standen." Wegner interessiert sich für die "un-built environment", also für das, was nach dem Bauen übrig bleibt.


© Peter Wegner © Peter Wegner

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Dokument erstellt am 2014-05-30 12:53:05
Letzte Änderung am 2014-05-30 12:57:58


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