• vom 23.06.2014, 20:50 Uhr

Kultur


Aliens

Die Science-Fiction-Archäologie




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Von Edwin Baumgartner

  • Die Präastronautik hat den History Channel erobert und boomt im Internet - was ist dran an den Spekulationen?

Die Ruinen von Puma Punku: Präastronautiker meinen, die Stadt sei von Außerirdischen gebaut worden. - © dmitriy_rnd/Fotolia.com

Die Ruinen von Puma Punku: Präastronautiker meinen, die Stadt sei von Außerirdischen gebaut worden. © dmitriy_rnd/Fotolia.com

Die ganze Sache ist demnach so verlaufen: Vor ein paar tausend Jahren landeten Außerirdische auf der Erde. Soweit ist das unbestritten. Über das weitere Geschehen gehen die Auffassungen auseinander: Die einen folgen dem US-amerikanischen Autor Zecharia Sitchin in der Überzeugung, die Außerirdischen hätten den Menschen als eine Art Sklavenrasse erschaffen. Die anderen teilen die Auffassung, die Außerirdischen seien auf unterentwickelte Kulturen getroffen und hätten eine Art kulturelle Entwicklungshilfe geleistet. Die Menschen hätten die Außerirdischen für Götter gehalten und ihr Eingreifen in die Erdgeschichte in Bauwerken, Bildern, Artefakten und in schriftlichen Zeugnissen festgehalten. Dementsprechend finden sich über die ganze Welt verstreut Hinweise auf den vor- und frühgeschichtlichen außerirdischen Besuch. Man muss sie nur als solche erkennen. Das wiederum kann der seriösen Wissenschaft nicht gelingen, weil sie in zu engen Bahnen denkt. Mitunter wird auch eine Verschwörung der Wissenschafter angenommen, um die Menschheit weiter in Unkenntnis über die Tatsachen zu halten, denn sollte herauskommen, dass Gott oder die Götter keine allmächtigen Schöpfer, sondern lediglich Raumfahrer waren, würde das moralische Koordinatensystem, das in religiösen Vorstellungen wurzelt, zusammenbrechen.

Horrorliteratur als Ausgangspunkt
Das ungefähr ist die Lehre der sogenannten Präastronautik. Natürlich steckt dahinter die ewige Frage des Menschen: Woher kommen wir? Was auf einen ersten Blick wie eine Leugnung sowohl der religiösen als auch der evolutionstheoretischen Antworten aussieht, verlagert in Wahrheit beide Interpretationen unserer Existenz bloß in die Tiefen des Weltalls: Der göttliche Schöpfungsakt oder die Evolution sind dann eben einem anderen Planeten zuteil geworden.


Prinzipiell wäre diese Science-Fiction-Archäologie kein Wort wert, würde sie nicht, nach merklichem Abflauen in den Achtzigerjahren, derzeit wieder an Boden gewinnen. Nicht nur das Internet macht’s möglich, wo ohnedies jede Verschwörung, jede fliegende Untertasse und selbstverständlich auch der Yeti Anhänger findet - die Präastronautik hat es sogar in einen Wissenschaftskanal des Fernsehens geschafft: "Ancient Aliens" läuft seit 2010 auf History Channel. Mittlerweile hält man bei Staffel 6, die Folgen der vorangegangenen Staffeln werden als Wiederholungen gebracht. 73 Folgen sind es bisher.

History für den deutschen Sprachraum ist ein Produkt von A+E Networks und NBC Universal Global Networks Germany. Spezialitäten sind Reality Soaps mit Holzfällern und Trödelsammlern, Survival-Geschichten, aber auch historisch informierte Sendungen. Vieles ist reißerisch aufgemacht, doch realitäts- bzw. geschichtsbezogen. Die totale Desinformation jenseits aller Wissenschaftlichkeit und Wahrheit ist dem History Channel im Grunde fremd. "Ancient Aliens" ist die Ausnahme.

Die Theorie der Präastronautik basiert auf den genialen, aber rein fiktiven Horrorgeschichten des US-Amerikaners H. P. Lovecraft. Dieser entwickelte ein System von dämonischen Wesen, die auf die Erde kamen, als diese noch jung war. Sie bauten die megalithische Stätten, ehe sie von den Menschen gebannt wurden.

Lovecraft wurde nicht müde zu betonen, seine Werke seien ausschließlich Produkte seines Geistes ohne jeglichen Realitätsbezug. Lovecraft starb 1937 nahezu unbekannt. Unmittelbar nach seinem Tod begann ein Anhängerkreis, Lovecrafts Werk zu propagieren. Als das US-Militär nach 1945 seine in Frankreich stationierten Truppen auch mit Lesestoff versorgte, waren darunter Geschichten Lovecrafts. Diese stießen auf das Interesse von Jacques Bergier und Louis Pauwels.

Bergier war ein polnisch-französischer Chemiker, Spion, Okkultist und Autor, Pauwels ein belgisch-französischer Journalist. Bergier hatte Lovecraft ins Französische übersetzt. Er und Pauwels fragten sich nun, was wäre, beruhten Lovecrafts Geschichten auf Fakten. 1960 veröffentlichten sie "Le Matin des magiciens" (deutsch: "Aufbruch ins dritte Jahrtausend"). Sie bezeichneten ihre präastronautischen The-
sen als "phantastische Vernunft". Der französische Autor Robert Charroux (1909-1978) scheint dieses Buch genau gekannt zu haben, als er 1965 "Histoire inconnue des hommes depuis cent mille ans" (deutsch: "Phantastische Vergangenheit") veröffentlichte.

Däniken verschafft den Spekulationen den Durchbruch
Den Durchbruch verschaffte den Spekulationen aber der Schweizer Hotelier Erich von Däniken, der ebenfalls das Buch von Bergier und Pauwels (und wohl auch das Charroux’) studiert hatte. Jedenfalls reiste Däniken auf der Suche nach Spuren der Außerirdischen erst um die halbe, später wohl mehrfach um die ganze Welt und versorgte seine wachsende Gemeinde vor allem mit "Beweisfotos", wobei die Fotos selbst gar nichts beweisen, sondern erst durch Dänikens Interpretation Beweischarakter erlangen. Erstmals hatte Däniken seine Überzeugungen 1968 in "Erinnerungen an die Zukunft" veröffentlicht. Das Buch wurde zum Bestseller, der Film Harald Reinls erhielt eine Oscarnominierung.

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Dokument erstellt am 2014-06-23 20:53:05



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