Was in Paris geschah, war der schlimmste Anschlag in der Fünften Republik. Bagdad und Aleppo erleben solche Gewalt täglich. Der IS baut indes sein Kalifat im Sinne des Korans aus. Dies hat ebenso mit dem Islam zu tun, wie auch die Inquisition eng mit dem Christentum verbunden ist. Und Saudi-Arabien, Sponsor von Dschihadisten wie europäischer Konzerne, verweigert die Religionsfreiheit. Die meisten Opfer dieser Gewalt sind Muslime, ob nun Blogger in Riad oder Hirten im Irak.

Was tun?

Im Libanon begann am Sonntag, nachdem man sich mit Frankreich solidarisiert hatte, eine Kampagne im Internet: "Je suis Beyrouth. And I am more damaged than Charlie." (Ich bin Beirut. Und ich bin mehr beschädigt als Charlie). Bei allem Respekt für die jüngsten Opfer der Gewalt, so darf nicht vergessen werden, was die Stellvertreterkriege im Orient anrichten.

Es ist mit weiteren Anschlägen in Europa zu rechnen. Warum die Rückkehrer unter den Dschihadisten, die eine militärische Ausbildung machten, nicht wegen Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation verurteilt, sondern nur observiert werden, ist mir unklar. Die Überwachung tausender daheim gebliebener Sympathisanten überfordert die polizeilichen Kapazitäten. Die Gratwanderung zwischen Sicherheitsstaat und offener Gesellschaft wird neue Lawinen auslösen. Hier ist Augenmaß, nicht Hysterie geboten. Ein anderer Umgang mit der Türkei und den arabischen Golfstaaten wäre ratsam, anstatt ständig einzuknicken, da man die Märkte braucht, sollte endlich Klartext in Sachen Rechtsstaat gesprochen werden. Gerade Frankreich ist stark vom Geld Katars abhängig und schweigt zu vielem.

Die Sorge vieler Politiker um die Pressefreiheit ist eine scheinheilige. Die Redaktion des britischen "Guardian" wurde im Vorjahr durchsucht, um Unterlagen zu den Enthüllungen von Ed Snowden zu zerstören.

Eine freie Presse ist vor allem eine Kostenfrage. Und gibt es hierfür eine Nachfrage? Womit wir wieder bei den Staatsbürgern sind, die nicht bloß Medien "konsumieren", sondern kritisch hinterfragen, auch jenseits politischer Korrektheit. Ein gesellschaftliches Miteinander ist angesichts drohender Massenarbeitslosigkeit zerbrechlich. Wenn politische Ideen versagen, ist es leicht, im Namen Gottes zu verführen. Und diese Entwicklung reduziert sich nicht auf die islamische Welt.