• vom 16.01.2015, 16:24 Uhr

Kultur


Städteporträt

Bier und Barock




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Von Kilian Kirchgeßner

  • Pilsen ist Kulturhauptstadt 2015 und will einerseits das Klischee bedienen, andererseits aus seinem Schatten treten.

Der "Garten der Erinnerung" zum Gedenken an die Holocaust-Opfer in Pilsen. Auf den Steinen stehen die Namen der Pilsener Ermordeten.

Der "Garten der Erinnerung" zum Gedenken an die Holocaust-Opfer in Pilsen. Auf den Steinen stehen die Namen der Pilsener Ermordeten.© Kirchgeßner Der "Garten der Erinnerung" zum Gedenken an die Holocaust-Opfer in Pilsen. Auf den Steinen stehen die Namen der Pilsener Ermordeten.© Kirchgeßner

Pilsen. Hinter einer Holztüre verbirgt sich der Zugang zu dem Stollen, der Pilsen weltberühmt gemacht hat. Kristýna Bartáková geht voran. Feucht-kühle Luft weht ihr entgegen, an den aus dem Felsen gehauenen Wänden leuchten Glühbirnen. Tiefer und tiefer führt sie hinein ins Labyrinth, bis allmählich der Duft nach Bier immer deutlicher wird. "Da vorne", sagt sie, "lagern die großen Fässer, in denen unser Pilsener reift."

Kristýna Bartáková führt Interessenten durch die Felsenkeller, deren verzweigtes Gängesystem sich kilometerweit unter der tschechischen Stadt Pilsen ausbreitet. Hier ist es entstanden, das legendäre untergärige Bier, das 1842 zum ersten Mal gebraut wurde und seitdem die ganze Welt erobert hat. "Viel hat sich seit damals nicht geändert", sagt Bartáková. Für Gäste zapft sie direkt aus dem Fass eine Probier-Portion - nur hier, im Keller unter der Stadt, lässt sich das echte Pilsener naturtrüb verkosten, also noch vor der Filtrierung. "Klar bin ich stolz auf unser Bier", sagt sie dann: "Schließlich verdankt unsere Stadt ihm den guten Ruf!"


Weg von den Stereotypen
Ohne Bier geht es einfach nicht in Pilsen. Und so baut die Stadt ihren Exportschlager kurzerhand zum wichtigen Programmpunkt aus, wenn sie 2015 Europäische Kulturhauptstadt ist - am Samstag ist Eröffnung. Bier sei schließlich auch ein Kulturgut, heißt es in Pilsen. Und so dürften die Felsenkeller einen ungeahnten Besucheransturm erleben - obwohl Jiří Suchánek, der Direktor des Kulturhauptstadt-Programms, auch genug weitere Programmpunkte einplant: "Wir wollen weg von den Stereotypen", sagt er, "und die Stadt auf eine ganz neue Art öffnen." Tatsächlich gibt es vieles, woran er anknüpfen kann: Markant sind die herrlichen Bürgerhäuser, die im Stil der österreichisch-ungarischen Monarchie um den Marktplatz und die imposante Bartholomäus-Kirche stehen, dazu die prächtige Grünanlage, die sich um die Altstadt zieht. Dieses alte Erbe wollen die Pilsener jetzt neu erobern, denn ihre Stadt ist seit der kommunistischen Herrschaft vor allem vom kilometerbreiten Industrie-Gürtel rings um das historische Zentrum geprägt worden.

Die Stadt, die weniger als eine Auto-Stunde hinter der bayerischen Grenze liegt, möchte im Kulturhauptstadt-Jahr ihre Internationalität betonen: Ein paar Dutzend gemeinsame Projekte mit bayerischen Partnern gibt es, dazu etliche Gemeinschaftsaktionen mit Japanern, die zu den großen Investoren gehören. Ein Zirkusfestival mit französischen Artisten bildet einen der Höhepunkte des Programms - und natürlich jede Menge Eigenes.

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Dokument erstellt am 2015-01-16 16:29:07


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