"Was darf ich eigentlich noch?", fragt sich Dietmar Hoscher (rechts) immer öfter. Im Bild mit Markus Hinterhäuser, Intendant der Wiener Festwochen, die auch vom Casinos-Sponsoring profitieren. - © Mike Ranz
"Was darf ich eigentlich noch?", fragt sich Dietmar Hoscher (rechts) immer öfter. Im Bild mit Markus Hinterhäuser, Intendant der Wiener Festwochen, die auch vom Casinos-Sponsoring profitieren. - © Mike Ranz

Wie viel genau die Casinos Austria für Kunst und Kultur ausgeben, will das Unternehmen nicht sagen. Ein "erheblicher Millionenbetrag", so der offizielle Wortlaut. Neben Wiener Festwochen, Bregenzer Festspiele, Burgtheater, Staatsoper, Grafenegg und Bundesmuseen unterstützt die Unternehmensgruppe auch kulturelle Aktivitäten, die weniger im Rampenlicht stehen. Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher macht sich allerdings Sorgen, dass dies künftig behindert wird. Und zwar ausgerechnet vom Staat, der Untreue und Korruption immer enger auslegt.

"Wiener Zeitung":Warum sponsern die Casinos Kultur, statt höhere Gewinne auszuschütten?

Dietmar Hoscher:(Lächelt.) Wir stehen als Glücksspiel-Unternehmen auch in der öffentlichen Debatte. Daher haben wir auch eine allgemeine Aufgabe, gepaart mit sozialer Verantwortung. Dazu gehört auch Kultursponsoring. Unsere Eigentümer stehen dazu, und wir haben es auch im Unternehmenszweck festgelegt. Aber die Frage hat einen berechtigten Hintergrund. Wer als Manager Sponsoring nicht im Unternehmenszweck hat, muss sich fragen: "Was darf ich eigentlich noch?"

Weil diese Ausgaben den Gewinn für Eigentümer, manchmal Aktionäre, schmälern?

Genau. Vor allem, wenn Nischen unterstützt werden, deren Werbe-Gegenwert manchmal nicht so leicht darzustellen ist. Da kommt schneller, als manch einer möchte, der Untreue-Paragraph zum Tragen, der im Strafrecht verankert ist. Ich orte da bei Kollegen eine gewisse Verunsicherung. Die öffentliche Hand tut sich dabei meines Erachtens nichts Gutes, sie will, dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Wenn ein Unternehmen aber Kultur in Bereichen unterstützt, wo auch die öffentliche Förderung sehr spärlich wird, widerspricht der Staat seinen eigenen Zielen. Manche Firmen sind verunsichert und sagen, das ist mir zu gefährlich, ich mache lieber nix.

Sie sind im Kulturbereich ein Großsponsor, aber von dieser rechtlichen Unsicherheit nicht betroffen, habe ich das richtig verstanden?

Grundsätzlich ja. Ein Risiko bleibt aber auch uns. Bei Festivals, auch großen wie den Festwochen oder Bregenz, übernimmt ein Sponsor Kartenkontingente. Das ist auch im Sinne der Veranstalter, denn die wollen natürlich auch sogenannte Multiplikatoren im Publikum haben. Nun gibt es den Anfütterungs-Paragraphen, um Korruption zu unterbinden. Dadurch wird es immer schwieriger, jemanden einzuladen. Wenn ich aber auf Karten sitzen bleiben würde, dann stünde deren Bezahlung keine Leistung gegenüber. Und hier taucht wieder die Gefahr der Untreue auf, bei der ich nachweisen müsste, dass dies kein Vorsatz war. Auch hier widerspricht sich die öffentliche Hand, die ja sonst ständig erklärt, dass Österreich eine Kulturnation sei.

Man sollte den Untreue-Paragraphen und die Antikorruptions-Bestimmungen also entschärfen?

Erstens: Nicht jede Einladung zu einer Vernissage atmet den Odem der Anrüchigkeit. Zweitens: Es liegt meines Erachtens an Gesetzesformulierungen, die großen Interpretationsspielraum lassen. Da niemand ein Risiko eingehen möchte, verzichten Unternehmen auf Einladungen, selbst ohne Not. Und reduzieren auf der anderen Seite natürlich die Sponsoring-Budgets. Manche Gesetzesformulierungen sind hart. Lade ich beispielsweise einen Beamten zu Kulturveranstaltungen ein, kann dies problematisch werden, wenn der dafür über eine Subvention entschieden hat, selbst wenn er pflichtgemäß entschieden hat. So steht es im Gesetz. Das ist schwer zu verstehen, selbst wenn mir klar ist, dass die Republik jedes Interesse hat, Korruption im Keim zu ersticken.

Wenn die Casinos Austria nun in die staatliche ÖBIB, die alte ÖIAG, eingebracht werden, könnten sie vom Rechnungshof geprüft werden. Alle Organe könnten so zu Amtsträgern werden. Ändert das auch für die Casinos das Sponsoring?

Meines Wissens soll der Anteil der Nationalbank eingebracht werden, das sind knapp 34 Prozent. Rechtlich sehe ich kein Problem. Aber wenn das so wäre, muss geprüft werden, ob unser Sponsoring-Konzept aufrecht bleiben kann. Ich kann nur sagen, die jetzigen Eigentümer befürworten das. Aber ob es neue Eigentümer auch wollen, wird sich zeigen.

Betrifft das auch die Sportförderung?

Das ist in unserer Tochtergesellschaft Lotterien GmbH. geregelt. Dafür gibt es eine gesetzliche Zweckwidmung, und wohl viel stärker abgesichert.

Und die Förderung sozialer Projekte?

Dort ist es ein Problem, aber - ehrlich gesagt - im Sozialsponsoring gibt es weniger Debatten darüber, selbst wenn ein großes Transparent beim Formel-1-Rennen in Zeltweg einen größeren Werbewert hätte.

Wie versuchen Sie, mit all den Fährnissen umzugehen?

Unser Konzept geht dahin, schon in die Entstehung der Kultur-Projekte eingebunden zu sein. Das heißt nicht, dass wir uns in künstlerische Belange einmischen, aber es muss zu unserer Aufgabe passen. Mit ImpulsTanz haben wir etwa Danceability entwickelt, ein Projekt, bei dem gehandicappte Menschen mit Nichtbehinderten tanzen. Wunderbar.

Sollten auch Kultur-Projekte steuerlich absetzbar sein?

Für uns ist das nicht das erste Thema. Das Produkt muss stimmen, beide Seiten müssen sich wiederfinden. Und da wir den Sponsoring-Preis Maecenas gewonnen haben, scheint das auch zu funktionieren. Für mich ist Kunstförderung auch Demokratieförderung, weil wir Projekte ermöglichen, die den gesellschaftlichen Diskurs beleben.