New York City hat eine 850 Kilometer lange Küste. Die Bronx ist der einzige Stadtteil, der sich auf US-amerikanischem Festland befindet. Und das Wasser wird oft als "sechster Bezirk" bezeichnet. Tagtäglich pendeln tausende Menschen von einer Insel zur anderen - von Brooklyn, Queens oder Long Island nach Manhattan und zurück - und dennoch: Die New Yorker haben meist ein distanziertes Verhältnis zum Wasser.

Kaum verwunderlich, sind doch die Ufer weitgehend privatisiert und öffentlicher Zugang zum Wasser ist rar. Zwar gibt es etwa am Valentino Pier im Stadtteil Red Hook in Brooklyn einen "öffentlichen" Strand: Hier ist es der Bevölkerung gestattet, mit den Füßen im Wasser zu waten. Wer kajaken, rudern oder sich in einem Boot fortbewegen will, braucht dafür eine Bewilligung der Stadt. Schwimmen ist - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt - untersagt.

Um die New Yorker wieder näher ans Wasser bringen, hat sich die Künstlerin Nancy Nowacek - selbst leidenschaftliche Schwimmerin - vorgenommen, eine temporäre, schwimmende Fußgängerbrücke zu installieren. Die vier Kilometer lange "Citizen Bridge" ("Brücke der Bürger") soll den Stadtteil Red Hook einen Tag lang mit Governors Island verbinden.

Nowacek hat in den vergangenen fünf Jahren sieben verschiedene Prototypen getestet, derzeit arbeitet sie an ihrem achten Modell. Um Abfall zu reduzieren, verwendet sie für das aktuelle Modell sogenannte "Standard Floating Piers": Sie entwickelt dafür eine Konstruktion, die schwimmende Elemente - eine Sperrholzplatte, Stahlplattform, Plastiktrommeln - zu einer stabilen Brücke zusammenhält.

Brücken-Trend in der Kunst

Derzeit lässt sich in der Kunstszene ein veritabler Trend zur Brücke beobachten, in den sich auch Nowaceks Projekt einreihen lässt: In Italien stürmten den Floating Pier des Künstler-Duos Christo und Jean-Claude mehr als eine Million Menschen, in New York City können Besucher in einem schwimmenden Community-Garten umsonst Kohl und Spargel ernten. Der Floating Food Forest Swale wurde von Eyebeam-Alumni Mary Mattingly konzipiert.

Nowacek arbeitet an dem gewaltigen Projekt, für das sie mit Seebauingenieuren und Architekten kooperiert, seit fünf Jahren. Ohne die Hilfe von mehr als 200 Freiwilligen wäre es nicht realisierbar gewesen, wie sie sagt.

"Teamarbeit ist ein besonderes Talent von Nancy Nowacek. Bei ihrem Projekt lernen Ingenieure und Künstler von einander", sagt Laura Welzenbach, Kuratorin und Projektmanagerin bei Eyebeam, einem New Yorker Non-Profit-Studio an der Schnittstelle von Kunst und Technologie, das Nowacek seit 2014 mit einem umfassenden Artist-in-Residency-Programm unterstützt.