Wie man eine eigene Kunstsprache konstruieren kann? - Zeit ist alles, was man braucht: Man nimmt einen literarischen Text und übersetzt ihn in die Kunstsprache. ("Faust" auf Babbelsprak: "Aprendol ben, oi, filsofiza..." - das wär’s...). Dabei schreibt man die Vokabel alphabetisch geordnet auf Karteikarten mit und notiert ebenso, welche grammatikalischen Strukturen man erfindet. Diesbezüglich heißt die Regel: Je einfacher, desto besser. Die altgriechische Grammatik gilt es als Modell eher zu vermeiden. Auch Baskisch mit seinen 24 Fällen würde als Vorbild wohl nur bei Basken auf Gegenliebe stoßen.

Aber warum nicht am Norwegischen orientieren, auch in dieser Sprache werden Liebeserklärungen gemacht. Obendrein mag man grundlegende Fragen stellen. Etwa: Braucht es Vergangenheits- und Zukunftsformen beim Zeitwort oder genügt eine Zeitangabe? "Morgen gehe ich shoppen" ist deutsche Umgangssprache. Bildet man parallel "gestern bin ich im Kino", wäre das auf Deutsch undenkbar, einen Chinesen hingegen würde es nicht befremden.

Einzig und allein konsequent muss der Sprachkonstrukteur vorgehen. Schließlich gilt es, die Klippen der Ausnahmen zu vermeiden, an denen das Erlernen herkömmlich gewachsener Sprachen oft zerschellt.

Doch selbst die einfachste und logischste Plansprache hätte keine Chance. Das hat sich auch im Fall von Esperanto erwiesen. Denn für den Lernenden bleibt es dabei: Er muss Vokabel und Grammatik büffeln, also den normalen Prozess des Erlernens einer Sprache durchlaufen.

Keine Märchen auf Esperanto

Doch der Lohn ist gering: Denn in Esperanto werden keine Sagen und keine Märchen erzählt, Esperanto hat keinen Homer, keinen Ovid, Esperanto hat keinen Dante und keinen Shakespeare, keinen Goethe, keinen Puschkin, keinen Brecht. In Esperanto gibt es gerade einmal einen Horrorfilm, "Inkubo" (mit dem Raumschiff-Enterprise-Kommandanten William Shatner), es gibt auch einen schmalen Literaturkanon. Insgesamt aber muss sich Esperanto seine Literatur ausborgen und damit seine Kultur. Lernt man Englisch, lernt man englische Kultur; nichts vermittelt das Denken der Russen besser als das Erlernen ihrer Sprache. Doch wer Esperanto lernt, kann in Ermangelung von Esperanten deren Kultur nicht lernen, nicht in das esperantische Wesen eindringen. Plansprachen verhalten sich zu einer gewachsenen Sprache wie Roboter zum Menschen. Roboter übertreffen Menschen zwar in vielem. Aber wer will schon einen Roboter als Freund oder Lebensgefährten haben?

Wobei Esperanto sich ohnedies gut etabliert hat. Im Dänischen hingegen ist "volapyk" ein Synonym für - Quatsch.