Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".
Robert Sedlaczek ist Autor des Buches "Das österreichische Deutsch". Seit 2005 schreibt er für die "Wiener Zeitung".

Als es in den 1960er Jahren zu einem massiven Zuzug von Gastarbeitern aus dem damaligen Jugoslawien gekommen ist, hat die Slawenfeindlichkeit erneut zugenommen. Eine der SPÖ nahe stehende Initiative antwortete mit einer markanten Plakataktion: "I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns zu dir Tschusch?" Das sagt ein österreichisches Kind in Lederhose zu einem Mann, der unverkennbar wie ein Gastarbeiter aussieht. Besser kann man wohl nicht zum Ausdruck bringen, dass sich in unserem Raum seit jeher die Völker vermischt haben. Und dass Fremdenfeindlichkeit auch deshalb absurd ist.

An all das muss ich denken, als ich im Radio folgenden Dialog höre: "Herbert, hast gsehn, der Adventkranz vom Sedlaczek - wie ein Autoreifen!" - "Erna, das kann uns nicht passieren - unserer ist gebunden." - "Handgebundene Adventkränze - jetzt bei Bellaflora!"

Da mir gerade der Schalk im Nacken sitzt, schicke ich dem Geschäftsführer Nikolaus Thaller ein Mail und stelle zwei Fragen: "Erstens: Warum haben Sie gerade diesen Familiennamen ausgewählt? Zweitens: Was wollen Sie mit der Werbung zum Ausdruck bringen?" Ich zeichne mit Sedlaczek - auf deutsch "Bäuerlein" oder "Kleinbauer". Vielleicht hat einer meiner Vorfahren aus Reisig Adventkränze gebunden.

Wenig später antwortet Karin Höld von der Bellaflora-Gartencenter GmbH - wenn es heikel wird, schickt man Frauen vor: "Sehr geehrter Herr Dr. Sedlaczek, vielen Dank für Ihr Mail. Wir haben Ihr Schreiben an unsere Werbeagentur Createam weitergeleitet - Sie erhalten eine Antwort. Gerne möchten wir Ihnen etwas zukommen lassen. Bitte teilen Sie uns mit, ob morgen ein Mitarbeiter von uns bei Ihnen vorbeikommen kann."

Ich bitte höflich, davon Abstand zu nehmen. Ich habe bereits einen Adventkranz. Er schaut zwar aus wie ein Autoreifen, erfüllt aber seinen Zweck.

Zwei Tage später das Mail von Createam, wieder gezeichnet von einer Frau, Isabella Kastl. "Der Adventkranz vom Maier" oder "Müller" oder "Huber" hätte abgedroschen geklungen. Deshalb hat man sich "für einen gewissermaßen außergewöhnlichen Namen" entschieden, "nicht darauf Bedacht nehmend, dass das gerade aufgrund seiner Vereinzeltheit die wenigen Träger dieses Namens umso mehr stören könnte."

Liebe Frau Kastl! Es geht ja gar nicht um mich. Was mich stört, ist der unterschwellige Antislawismus: "Dieser Tscheche ist entweder arm oder ungeschickt, jedenfalls hat er es nicht geschafft, einen ordentlichen Adventkranz zu kaufen! Deshalb wird er von Herbert und Erna ausgelacht."

Wobei es ja auch Menschen mit tschechischem Namen gibt, die es zu etwas gebracht haben: Elfriede Jelinek, Herbert Prohaska, Andreas Vitasek, Franz Vranitzky . . .

Ich hoffe nur, dass das Createam nicht schon am nächsten Werbespot bastelt: "Hansi, hast gsehn, die Schneeglöckerln vom Yusuf - die schaun total znepft aus. Wahrscheinlich hat er sie im Park ausgraben!" - "Traude, das kann uns nicht passieren - unsere sind von Bellaflora."

Ihre Meinung an: www.wienerzeitung.at/sedlaczek

Veranstaltungshinweis: Eva Maria Klinger liest heute, Mittwoch, aus dem "Kleinen Handbuch der bedrohten Wörter Österreichs"; Ort: Bezirksmuseum Hietzing, 13, Am Platz 2, Beginn: 18.30 Uhr; freier Eintritt.