Auch nach gut fünf Jahren im Geschäft sieht zumindest die verheiratete Hälfte des Quartetts nicht aus, wie man sich Popstars vorstellt. Wir könnten es hier auch mit grünalternativen Soziologiestudenten zu tun haben, die sich als Bühnenhelfer ein wenig dazuverdienen.

Lieb und nett

Das schadet freilich nicht. Denn die Illusion ist eine Tochter des Pop. Und Wir Sind Helden vermitteln in ihrer Unaufgesetztheit zunächst einmal eines: Das da oben, das könnten wir alle sein! Genau das schätzen Fans an "ihren" Helden. Das Ehrliche und Erdige, das Authentische und Unprätentiöse, das Liebe und Nette.

Für den Rest der Welt aber darf die 2002 mit ihrer ohne die Unterstützung einer Plattenfirma im Alleingang produzierten, sich in schön trotziger Konsumkritik übenden und im Gasometer elektronisch fett aufgepimpten Single "Guten Tag" zu einem ersten Achtungserfolg gekommene Band aber auch als zu lieb und zu nett gelten.

Nach der in den Anfangstagen genährten Hoffnung, dass es sich hierbei um eine sich politisch auch mutig artikulierende Formation handeln könnte, erwies sich diese schon früh als nicht unbedingt einfordernd rebellisch, sondern eher verzagt agierende Vertreterin des handzahmen Widerständchens.

Der Vorschlaghammer wurde besungen - durfte dann aber im Geräteschuppen verstauben.

Heute thematisiert die Berliner Band im Konzert-Intro mit der "Ode an die Arbeit" ein (gesellschafts)politisch relevantes Thema mit Humor, aber angesichts eines gerade in der deutschen Bundeshauptstadt dringend nötigen Diskurses über die im Dienste prekärer Beschäftigungsverhältnisse stehende "Generation Praktikum" auch beschämend substanzlos.

Die Welt umarmen

Der Rest ist - betrachten wir die Unterhaltungsfunktion, die Pop vordergründig zu bedienen hat - perfektes, die Welt umarmendes Entertainment. Beglückend für die einen. Und für die anderen? "Endlich ein Grund zur Panik."

Wir Sind Helden

Wiener Gasometer

Aktuelles Album:

Soundso (Labels/EMI)

Solide Unterhaltung.