• vom 01.02.2018, 08:00 Uhr

Kultur


Konsum

Müsli mit moralischem Mehrwert




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Von Judith Belfkih

  • Vom Arbeiter zum Konsumenten - Kulturwissenschafter Wolfgang Ullrich erläutert, warum auch Konsum Arbeit sein kann.

Konsum und seine Folgen sind meist negativ konnotiert - das ändert sich, analysiert Kulturwissenschafter Wolfgang Ullrich. - © fotolia/lassedesignen

Konsum und seine Folgen sind meist negativ konnotiert - das ändert sich, analysiert Kulturwissenschafter Wolfgang Ullrich. © fotolia/lassedesignen





Die Arbeit wird uns ausgehen, Roboter werden einen Großteil der Arbeitskräfte ersetzen. Maschinensteuern werden ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ermöglichen und die Menschheit sorgenfrei in die Post-Wachstumsgesellschaft führen. Zukunftsszenarien zum Thema Erwerbsarbeit gibt es viele. Was alle eint: Unseren heutigen Begriff von Arbeit wird die Digitalisierung radikal verändern. Der deutsche Kulturwissenschafter Wolfgang Ullrich hat sich in diesem Zusammenhang mit dem Menschen in seiner Rolle als Konsument beschäftigt. Seine Analyse, die er auch beim Philosophicium Lech präsentierte: Konsum selbst ist auch Arbeit. Ein Gespräch über Strickwaren mit sozialem Mehrwert, die Gefahr von Werten und den politischen Gestaltungsspielraum der gar nicht so passiven Verbraucher.

"Wiener Zeitung": Sie stellen die These auf, dass auch Konsum Arbeit sein kann. Werden wir bald Konsumenten statt Arbeitende?

Wolfgang Ullrich: Das sind wir doch bereits. Allerdings ist Konsum nach wie vor erst einmal negativ konnotiert, als das Gegenteil von Arbeit, da man das mit dieser Hergestellte ja verbraucht, verschwendet. Konsum gilt also per se als unproduktiv. Jetzt kommen wir aber in der Wohlstandsgesellschaft in die Situation, dass nicht nur eine kleine Elite sich ausgiebigem Konsum hingeben kann, sondern dass viele Menschen in großem Umfang Konsumenten sind - freiwillig und gerne. Das schlechte Gewissen, die negativen Assoziationen des Konsums stehen noch im Raum. Wir haben also alle schlechtes Gewissen - und haben es immer noch lieber, wenn man uns über den Beruf definiert als über unsere Konsumgewohnheiten.

Unsere digitalen Profile speisen sich aber schon so gut wie ausschließlich über unseren Konsum - vom Shoppen bis zu Medien . . .

Faktisch ja. Wir bekommen ja auch bei jeder persönlichen Begegnung alleine durch Kleidung, Frisur, und Accessoires eine Vorstellung von einer Person als Konsument. Darüber wollen wir aber nicht definiert werden. Mit gutem Gewissen konsumieren wir nur, wenn wir das Gefühl haben, dass es nicht unproduktiv ist. Es liegt also in unserem Interesse, Konsum auch als Arbeit zu erfahren.

Wie sieht produktiver Konsum aus?

Da gibt es verschiedene Strategien. Auch die Hersteller haben verstanden: Je mehr sie Konsum als Form von Arbeit erfahrbar machen, umso lieber wird konsumiert - etwa bei Möbelhäusern, die anbieten, Möbel selbst zusammenzubauen, oder bei Zustellern, die Kochrezepte gleich mit den passenden Zutaten liefern. Da hat der Konsument das Gefühl, es selbst gemacht zu haben, Arbeit investiert, sich etwas verdient zu haben. Auch das Konfigurieren von Produkten - vom Sneaker über Müsli bis zum Auto - fällt hier hinein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-31 15:29:15
Letzte Änderung am 2018-01-31 20:54:17


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