• vom 14.02.2018, 07:30 Uhr

Kultur

Update: 16.02.2018, 11:03 Uhr

Valentinstag und Aschermittwoch

Hering mit Herz




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Von Edwin Baumgartner

  • Wenn Aschermittwoch und Valentinstag zusammenfallen, sind zumindest geistige Kollisionen vorprogrammiert.




© Daniel Jokesch © Daniel Jokesch

Heute überreicht der Hans seiner Grete einen Strauß Heringe. Das ist vernünftig, ganz in Einklang mit dem heutigen Tag ist es. Denn wann fallen schon Valentinstag und Aschermittwoch - oder nach katholischer Wertigkeit gereiht: Aschermittwoch und Valentinstag zusammen? Es ist halt ein Gwirks mit den Kalendersystemen! Oder, in Ätschi-Bätschi übersetzt: Das kommt davon, wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man seine Feiertage nach einem variablen System feiert oder sie auf Daten festlegt. Da kann schon das eine mit dem anderen kollidieren. Zum Beispiel fällt der Ostersonntag dieses Jahr auf den 1. April. Ein Festtag der Atheisten ist das geradezu: die Auferstehung - ein Scherz. Irgendwann kommt’s wirklich noch, dass zu Weihnachten der Lindt-Goldhase unterm Christbaum liegt.

Überhaupt: diese beweglichen Feiertage. Welch ein Krampf! Hängen alle mit dem Mondkalender zusammen, und für dessen Komplexität würden die ihn erfindenden Mesopotamier heute noch strafehalber aus der Geschichte getilgt gehören. Die Römer - das waren Pragmatiker. Zum Beispiel der 25. Dezember: Da feiert man Sol invictus, und nichts anderes, und wer an diesem Tag nicht den unbesiegten Sonnengott feiert, soll sich im Circus Maximus mit den Löwen herumbalgen.

Bewegliche Feste

Im Prinzip hat die römisch geprägte Kirche das Prinzip der festen Feiertage übernommen. Zum Beispiel kommen die Heiligen Drei Könige immer am 6. Jänner, Allerheiligen fällt immer auf den 1. November und Weihnachten eben immer auf Sol invictus. Nur die speziellen Tage, die mit Ostern zusammenhängen, die sind zwangsläufig variabel. Jesus nämlich feierte als gläubiger Jude Pessach. Zu diesem Zweck ging er nach Jerusalem, was dann zu der ganzen Intrige samt Prozess, Kreuzigung, Auferstehung und damit zum Christentum geführt hat. So steht es im Neuen Testament. Und Pessach ist nun einmal, wie übrigens alle jüdischen Feiertage, ein variables Fest.

Der Ostersonntag fällt auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Im gregorianischen Kalender ist das frühestens der 22. März und spätestens der 25. April. Oder in Übereinstimmung mit dem jüdischen Kalender: Ostern fällt auf den Sonntag nach dem 15. Nisan, dem Tag des Pessachbeginns. Am 40. Tag nach Ostern wird dann Christi Himmelfahrt gefeiert und am 50. Tag nach Ostern beseelt zu Pfingsten der Heilige Geist die Gläubigen.

Aber Hochfeste bedürfen der Vorbereitungszeiten. Das bedeutet Fasten, Buße und Einkehr (und nicht "Mon chéri" naschen). Den Beginn dieser 46 Tage dauernden vorösterlichen Fastenzeit signalisiert der Aschermittwoch, der so ebenfalls vom Datum des Osterfestes abhängt und in diesem Jahr auf den heutigen 14. Februar fällt.




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Dokument erstellt am 2018-02-13 16:20:26
Letzte ─nderung am 2018-02-16 11:03:19



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