• vom 07.03.2018, 08:00 Uhr

Kultur

Update: 07.03.2018, 14:32 Uhr

Sprachverwirrung

Der Wortbau zu Babel




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Von Edwin Baumgartner

  • Produktnamen Zeugnisse des spektakulären Scheiterns an Sprache und Mythos.

Warum eine australische Fluglinie sich ausgerechnet Emu genannt hat, wird niemals ganz zu klären sein. - © WZ-Illustration mozie; Fotomaterial: Fotolia/Karsten, Ina van Hatere

Warum eine australische Fluglinie sich ausgerechnet Emu genannt hat, wird niemals ganz zu klären sein. © WZ-Illustration mozie; Fotomaterial: Fotolia/Karsten, Ina van Hatere

"Kann man eigentlich als Mann einer Frau ,Mon Chéri‘ schenken?" Die Frage des Anrufers bezieht sich auf einen Artikel, in dem jüngst die Branntwein-Kirsch-Praline eine Nebenrolle spielte. Die Beobachtung hat etwas für sich. "Mon chéri" ist schließlich männlich, "ma chérie" wäre das weibliche Äquivalent. Hat da der Namensgeber nur daran gedacht, was er gerne von seiner Frau oder Freundin bekäme? Und müsste Ferrero nicht, der Gleichberechtigung zuliebe, "Ma Chérie" auf den Markt bringen?

Aber "Mon Chéri" ist eine Kleinigkeit am Rande für Französischsprachverliebte. Da sind schon ganz andere Produktnamen-Böcke geschossen worden. Jüngst zum Beispiel die Sache mit Fuzetea: Natürlich will Coca-Cola seinen Eistee auch in der Schweiz anbieten. Dort geht das freilich nur, wenn das "z" einem "s" weicht, sonst wäre "Fuze", mundartlich ausgesprochen, das weibliche Geschlechtsorgan, und das in Zusammenhang mit einem Getränk... - lassen wir das lieber. Coca-Cola investierte dem Vernehmen nach eine Million Franken (rund 865.000 Euro) in die Umbenennung. Jetzt können sich die Schweizer ihren Fusetea schmecken lassen und sind dabei auf der moralisch sicheren Seite.


Coca-Cola ist’s gewöhnt. Als der Konzern seinerzeit sein Hauptprodukt in China anbieten wollte, wäre die naheliegende Umschrift mit chinesischen Zeichen "Kou-ke-kou-la" gewesen. Aber nicht einmal im Land der gebratenen Katzen und Hunde mag jemand eine "Stute, mit Kerzenwachs gefüllt", trinken. Dann schon lieber "Ke-kou-ke-le", was zwar phonetisch ein wenig geschummelt ist, aber "schmackhaft und glücklich" bedeutet. Tchibo wiederum hat in Japan ein Problem, wo der Markenname "Tod" und "Blut" bedeutet.

Barriere der Landessprache
Ja, wenn ein Produkt die Barriere der Landessprache durchbricht, kann das zu größerer Verwunderung führen. Da scheint es fast, als habe derjenige, der seinerzeit die Sprachverwirrung zu Babel anrichtete, seinen etwas schrägen Humor weit in die Zukunft projiziert. Wer kann das schon, wenn nicht er? Die Ergebnisse sind denn auch, geht es nur um den Heiterkeitsfaktor, absolut überzeugend.

Gutvik etwa ist ein lauschiger Ort in Schweden, und weil es dort so heimelig ist, hat Ikea nach ihm ein Kinderbett benannt. "Vik" heißt auf Schwedisch "Bucht". Was Karl Valentin damit zu tun hat? Nun, der Münchner Komiker hat kalauernd bewiesen, dass im Deutschen V wie F ausgesprochen wird. Etwa so, wie das f in Lustifik, dem Schuh- und Hutablageregal von Ikea. U wird im Schwedischen wie ü ausgesprochen. Das mag man als mildernde Umstände geltend machen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-06 16:44:42
Letzte Änderung am 2018-03-07 14:32:02


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