• vom 13.03.2018, 17:21 Uhr

Kultur

Update: 13.03.2018, 19:29 Uhr

Mathematik

Kreis und Kuchen




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Von Edwin Baumgartner

  • Am 14. März feiern Mathematik-Affine die Kreiszahl Pi.




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Welttortentag sollte heute sein! Nicht nur der "Weiße Tag", an dem sich in Japan, Südkorea und Taiwan die Männer für die Valentinstag-Geschenke mit Weißer Schokolade bedanken. Japan, Südkorea, Taiwan und Schokoriegel (oder gar Handtaschen und kleine Preziosen) - das ist einfach nicht der ideale Zusammenhang. Ein Welttortentag hingegen würde ideal passen zum 14. 3. Denn Torten sind rund. Und, bitte, jetzt nicht allfällige Konditorsonderkreationen ins Treffen führen. Beim Datum ist die Zahlenschreibung statt "März" unbedingt notwendig. Schließlich geht es um eine Zahl. Das Datum amerikanisch geschrieben, Punkte weg, Komma gesetzt. 3,14 - war da nicht was damit?

Die Kreiszahl kennt sogar jeder, der in Mathe, sagen wir: glücklos war. (Und, ja: Hier schließt sich der Kreis vom Kreis zur Torte.) Es ist die Jahrhundert-, die Jahrtausend-, es ist die Menschheitszahl. Und wegen des Datums ist heute ihr Tag, der "Pi-Tag", oder, will man’s ganz genau machen, dann muss man ihn, bitte, mit dem adäquaten griechischen Symbolbuchstaben für Pi schreiben: Heute ist also "-Tag".

Schon sind wir wieder beim Kuchen: Eingeschworene Pi-Freunde essen heute einen. Er muss natürlich kreisrund sein. Im Idealfall ist er verziert, und zwar, es ist wirklich nicht schwer zu erraten, mit der Zahl Pi, die der Konditor den Tortenrand entlang spritzt. Auf zwanzig bis dreißig Nachkommastellen sollte er es schon bringen.

Auf die Idee der kuchenreichen Pi-Feier gekommen ist der US-amerikanische Physiker Larry Shaw. Hat es damit zu tun, dass Pi die Kreiszahl ist und Pie (auf Englisch) der Kuchen? Wie nahe doch das Gute bisweilen beim Nützlichen liegt. Ein Schelm, wer das Nützliche jetzt nur in der Zahl erkennen will! Jedenfalls hat Shaw den Pi-Day 1988 am Exploratorium in San Francisco initiiert. Und hat eine Gefolgschaft gefunden.

Kein Wunder: Als ob Kreis und Kuchen nicht genug wären für einen Tag, fällt auf den 14. März obendrein und durchaus mathematisch-physikalisch einschlägig, der Geburtstag von Albert Einstein, dem Entdecker der Menschheitsformel E=mc2. Menschheitszahl und Menschheitsformel, Archimedes und Einstein - und Kuchen: Fürwahr, welch ein Tag!

Ja, tatsächlich, der alte Archimedes: Um 250 vor Christus bewies er, dass sich der Umfang eines Kreises zu seinem Durchmesser genauso verhält wie die Fläche des Kreises zum Quadrat des Radius. So verbunden ist Archimedes mit dem Kreis, dass sich hartnäckig folgende Legende hält: Im zweiten Punischen Krieg belagerten die Römer Syrakus. Die Stadt verteidigte sich mit Wurfmaschinen, die Archimedes konstruiert hatte. Schließlich gelang es den Römern doch, einzudringen. Eigentlich wollte der römische Feldherr Marcus Claudius Marcellus den Mathematiker und Erfinder lebend gefangen nehmen, ein Kriegsmaschinenerfinder wäre für die stets kriegslüsternen Römer ein Aktivposten gewesen, doch ein römischer Soldat sah rot und erschlug Archimedes. Was den Legionär dermaßen in Weißglut versetzte? Statt dass Archimedes Angst gezeigt hätte, schleuderte er dem Römer entgegen: "Noli turbare circulos meos" - störe meine Kreise nicht. Wetten, dass es keinen Latein-Unterricht gibt, in dem dieser Satz nicht vorkommt? Womit der 14. März obendrein auch irgendwie ein Tag der lateinischen Sprache




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-13 17:26:45
Letzte Änderung am 2018-03-13 19:29:48


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