Kommt es zum Wechsel an der Spitze? Der Vertrag von Präsidentin Barbara Neubauer (Bild) löuft demnächst aus. - © Newald
Kommt es zum Wechsel an der Spitze? Der Vertrag von Präsidentin Barbara Neubauer (Bild) löuft demnächst aus. - © Newald

Wien. Das Bundesdenkmalamt (BDA) steht seit längerem unter Beschuss. 2017 wies ein Rechnungshofbericht auf diverse Missstände und schwere Managementfehler hin. Seitdem wird beständig über eine Reform des Amts diskutiert. Eine Re-Organisation der einflussreichen Behörde ist auch im Regierungsprogramm von Schwarz-Blau aufgelistet.

Bei Erneuerungsbestrebungen taucht regelmäßig der Vorschlag zur Verländerung auf. Auch im aktuellen Regierungsprogramm ist von einer Rückführung in die "mittelbare Bundesverwaltung" die Rede, was einer Verländerung gleichkäme. Föderalistische Vorstöße seitens Reformminister Josef Moser versetzten die Mitarbeiter des BDA zuletzt in Unruhe.

Gebündeltes Wissen

Derzeit ist das BDA eine Dienststelle des Bundeskanzleramts. In der Hofburg sind sieben Fachdirektionen untergebracht, zudem gibt es neun Landeskonservatorien mit Sitz in den Bundesländern (Ausnahme: Burgenland). Österreichweit sind etwa 200 Mitarbeiter im Dienst historisch bedeutsamer Kultur- und Baugüter tätig.

Bei einer Verländerung würden die Landeskonservatorien in die Kulturabteilungen der Landesregierungen eingegliedert werden. Experten warnen vor dieser De-facto-Entmachtung der einflussreichen Bundesbehörde. Der Tenor lautet: Denkmalschutz soll von Burgenland bis Vorarlberg nach identen Kriterien erfolgen.

Diesem Grundsatz folgt auch Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP). In einer Stellungnahme gegenüber der "Wiener Zeitung" macht er deutlich: "Eine Verländerung des BDAs ist derzeit nicht geplant, da das zu einer Zersplitterung des im BDA gebündelten Wissens führen und unterschiedliche Standards bringen würde. Auch wäre mit höheren Kosten bei gleichzeitig geringerer Qualität zu rechnen - das kann kein Weg sein."

Vielmehr habe die Neuaufstellung der Behörde, so Minister Blümel, "mehrere Ebenen. Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofs ist weit vorangeschritten: 86 Prozent sind bereits umgesetzt, die Umsetzung der weiteren Empfehlungen ist im Gange. Parallel dazu soll das Aufgabenprofil des BDA inhaltlich nachgeschärft werden, um das Handeln transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Ziel ist, dass das BDA stärker als servicierende beziehungsweise beratende Institution wahrgenommen wird." Mit diesem Wunsch nach Entbürokratisierung hält Minister Blümel im Grunde an den bisher erfolgten Veränderungen fest. Unter Führung von Sektionschef Jürgen Meindl wurde im Herbst 2017 eine Task-Force ins Leben gerufen, die den Anregungen des Rechnungshofes Folge leisten soll.

Im vergangenen Herbst bestätigte ein Untersuchungsausschuss erste Ergebnisse. Als wichtige Maßnahmen wurden "ein treffsicheres Unterschutzstellungskonzept, transparente und einheitliche Standards und Förderrichtlinien sowie klare Regeln zur Korruptionsprävention" genannt.

Zudem sollte die Rolle des Amts gestärkt werden - insbesondere in personeller Hinsicht. "Wir warten derzeit darauf, acht offene Stellen besetzen zu können", sagt Oliver Schreiber, Vorsitzender des Dienststellenausschusses des BDA zur "Wiener Zeitung".

Neuausschreibung

Auch wurde ein Denkmalfonds ins Leben gerufen, um Mittel für den Denkmalschutz zu lukrieren. Das in Österreich traditionell hohe Spendenaufkommen will man dadurch weiter ausbauen.

Offen ist derzeit allerdings, ob es zu einer Personalrochade an der Spitze der Behörde kommen könnte. Der Vertrag der amtierenden BDA-Präsidentin, Barbara Neubauer, läuft Mitte 2018 aus. In der Regel kommt es dabei nicht automatisch zu einer Verlängerung, vielmehr sollte dieser Tage die Position neu ausgeschrieben werden. Neubauer steht es frei, sich zu bewerben.

Branchenkenner gehen davon aus, dass Neubauer mit einiger Wahrscheinlichkeit weiterhin im Amt bleiben könnte. Die 62-jährige Kunsthistorikerin ist seit 1983 in verschiedenen Funktionen im BDA tätig, hat die Behörde von der Pike auf kennengelernt, 2008 wurde sie zur Präsidentin ernannt. Es erscheint plausibel, die Führung nicht während eines Reformprozesses zu wechseln.