• vom 20.06.2018, 07:30 Uhr

Kultur


Diskriminierung

Studien in Gerechtigkeit




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Von Klaus Stimeder

  • Ein Rechtsstreit um mögliche Diskriminierung könnte in den USA den Zugang zu höherer Bildung neu definieren.

Ein Verfahren gegen die Harvard-University könnte amerikanische Antidiskriminierungs-Strategien kippen.

Ein Verfahren gegen die Harvard-University könnte amerikanische Antidiskriminierungs-Strategien kippen.© Scott Eisen/Getty/afp Ein Verfahren gegen die Harvard-University könnte amerikanische Antidiskriminierungs-Strategien kippen.© Scott Eisen/Getty/afp

Wer Donald Trump zum Verbündeten hat, hat dieser Tage in den USA nicht viel zu fürchten. Der 71-jährige Präsident mag wenig Sinn für Politik und Diplomatie haben, aber seine Amtszeit ermöglicht der Republikanischen Partei Dinge, mit denen ihre Repräsentanten in normalen Zeiten nie durchgekommen wären. Allen voran dem Umbau der Justiz: Während Trump die Welt mit seiner politischen Reality-TV-Show in Atem hält, verwenden die Konservativen, von jeglicher öffentlichen Aufmerksamkeit weitgehend ungestört, ihre Zeit darauf, das Land nachhaltig von der Richterbank aus zu verändern.

Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat, hat die Ernennung von konservativen Richtern auf allen Ebenen zur "obersten Priorität" erklärt. Zeitgleich verwendet Justizminister Jeff Sessions alle Kräfte darauf, sein Ressort von "politisch unerwünschten Elementen" zu säubern. Auch wenn die langfristigen Folgen dieser Politik für die amerikanische Demokratie noch unabsehbar sind, werfen manche bereits ihre Schatten voraus - und das bisweilen in bizarrer Form. Das jüngste Beispiel bildet eine von Sessions angeordnete staatliche Untersuchung der Zulassungspraktiken der nahe Boston, Massachusetts gelegenen Eliteuniversität Harvard. Nämliche repräsentiert eine unverhohlene Flankierungsmaßnahme einer Privatklage, die nicht weniger als das Potenzial hat, das gesamte amerikanische Bildungssystem zu verändern.


Klage gegen
ethnische Diskriminierung

Warum und wie es dazu kam: Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe von Bewerbern, denen von Harvard die Aufnahme verwehrt wurde, die Uni auf Herausgabe der Beurteilungen aller zugelassenen Studenten geklagt. Ihre Vermutung: Obwohl sie bei den standardisierten Wissenstests, die den wichtigsten Teil des Aufnahme-Prozederes bilden, besser abgeschnitten hätten als zahlreiche Mitbewerber, sei ihnen die Aufnahme aufgrund einer informellen Quotenregelung verweigert worden. Mit anderen Worten: Sie vermuten offene Diskriminierung und das aufgrund ihres ethnischen Hintergrunds. Der besondere Twist: Bei den Klägern im Fall "Students for Fair Admissions vs. Harvard College" handelt es sich um sogenannte Asian-Americans - amerikanische Staatsbürger mit Eltern, von denen mindestens ein Elternteil ursprünglich aus Asien stammt.

Dass es jetzt ausgerechnet die Repräsentanten einer Minderheit sind, die zur Abschaffung dieses Systems beitragen wollen, ist an Ironie kaum zu überbieten - und wirft gleichzeitig ein Licht auf essenzielle Probleme, mit denen die US-Gesellschaft nicht erst seit Trump konfrontiert ist. Laut der letzten Volkszählung bilden Amerikaner mit asiatischen Wurzeln lediglich 5,6 Prozent der Bevölkerung. In den Elite-Bildungsinstitutionen sind sie dennoch überproportional vertreten. Führt man sich die Zahlen der drei prestigeträchtigsten US-Privatunis vor Augen - neben Harvard das ebenfalls im Großraum Boston ansässige Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie das California Institute of Technology (CalTech) in Pasadena -, erzählen diese eine bemerkenswerte Geschichte. Während sich der Anteil von Asian-Americans in Harvard (rund 17 Prozent) und am MIT (26) seit über zwei Jahrzehnten auf etwa dem gleichen Niveau bewegt, betrug er am CalTech 43 Prozent. Tendenz: steigend.

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Dokument erstellt am 2018-06-19 16:40:29


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