• vom 28.06.2018, 16:44 Uhr

Kultur


Urlaub

Sehnsuchtsorte der Seele




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Von Edwin Baumgartner

  • Bergmenschen, Strandmenschen und Bildungsurlauber mit ihren grundsätzlich unterschiedlichen Urlaubszielen.


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Der Urlaub beginnt mit der Planung, und die gestaltet sich konfliktreich: Der Onkel will in die Berge, die Neffen wollen ans Meer. Darauf folgen innerfamiliäre Manipulationsversuche. Die Neffen bekochen den Onkel mit delikaten Fischgerichten, der Onkel zieht aber - was war es doch gleich? - ein Honig- oder ein Marmeladebrot vor. So beginnen Probleme.

Fragt sich nur, was ein Erpel wie Onkel Donald in den Bergen will. Tick, Trick und Track haben da schon ein wesentlich entenhafteres Ferienziel vor Augen.


Im Prinzip ist die witzige Geschichte (ein Bad in Onkel Dagoberts Geldspeicher für ihren Titel!) eine Bestandsaufnahme der allsommerlichen Gretchenfrage: Strand oder Berg? Zwischen diesen Extremen sind freilich noch unzählige Urlaubssehnsuchtsorte der Seele angesiedelt. Und, nebenbei, können sich die individuellen Vorlieben zu echten Beziehungskrisen auswachsen, wenn sie nicht deckungsgleich sind.

Individuelle Vorlieben


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Schließlich ist die Urlaubszeit begrenzt. Da will jeder genau das tun, wozu er Lust hat. Und wenn er gerne drei Wochen am Strand liegt, sie aber Städtereisen bevorzugt oder umgekehrt, oder gar sie am liebsten tagelang die Wälder durchwandert, während sein Paradies auf einem Kreuzfahrtschiff liegt, hat das einen Anstrich von Unvereinbarkeit. Drum prüfe, wer sich bindet - unter anderem auch Urlaubsvorlieben. Keine Sorge: Man kann Einigungen finden, wenn man will.

Was macht diese Sehnsuchtsorte aus? Ist es letzten Endes nicht die Hoffnung, vor sich selbst Urlaub machen zu können? Weil man - hoffentlich, wohlgemerkt - am griechischen Strand jemand anderer ist als im Büro in Favoriten? Wenn man die Koffer packt, kann man dann alles weglassen, was man im Alltag mit sich herumschleppt? - Urlaub als Ablenkung, Ablenkung als Motor der Entspannung: Das ist es! Oder doch nicht? "Wer unzufrieden ist an einem Ort, wird selten glücklicher an einem anderen Ort", warnt der griechische Fabeldichter Aesop.

Jeder hat seine eigenen Sehnsuchtsorte. Es wäre eine interessante psychologische Studie, wodurch sie zustande kommen. Vielleicht sucht man das, wovon man meint, es läge dem Alltag am fernsten. Hat man, wenn die Wandermöglichkeiten quasi vor der Nase liegen, umso mehr Lust auf den Strand und umgekehrt? Jedenfalls dürfte es zwei Grundtypen des Urlaubers geben: Den Strandmenschen und den Bergmenschen - Mischwesen inkludiert.

Und es gibt gar eine dritte Grundtype, nämlich den Bildungsurlauber. Bildungsreisen kennt man seit der Antike, spätestens, seit sich Kaiser Nero in Griechenland Inspiration holte - für Theater- und Sportveranstaltungen und Bauwesen, natürlich, nicht für Zündeleien, Belladonnamischungen und andere Raffinessen. Spätestens seit Johann Wolfgang von Goethe weiß man: Reisen bildet. Oder wie das Zitat vollständig lautet: "Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen." Aber Vorsicht mit Goethe als Reiseleiter, denn seine andere Maxime lautet: "Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen." Bitte melden, wer in diesem Sinne schon einmal auf die Malediven geschwommen oder New York über die Nordpol-Route erwandert hat.

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Dokument erstellt am 2018-06-28 16:49:42


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