• vom 05.07.2018, 09:18 Uhr

Kultur

Update: 05.07.2018, 11:04 Uhr

Auszeichnung

Großer Österreichischer Staatspreis an Florjan Lipus




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Von WZ Online, APA

  • Der Slowenisch schreibende Kärntner Autor erhält die höchste Kulturauszeichnung der Republik.

Im Vorjahr veröffentlichte Lipus "Seelenruhig", in dem er Motive aus Kindheit, Jugend und Krieg verdichtet.

Im Vorjahr veröffentlichte Lipus "Seelenruhig", in dem er Motive aus Kindheit, Jugend und Krieg verdichtet.© APAweb / MARKO LIPUS Im Vorjahr veröffentlichte Lipus "Seelenruhig", in dem er Motive aus Kindheit, Jugend und Krieg verdichtet.© APAweb / MARKO LIPUS

Wien. Der Große Österreichische Staatspreis geht 2018 an Florjan Lipuš und damit an einen Kärntner Autor, der in seiner Muttersprache Slowenisch schreibt. Die höchste Kultur-Auszeichnung der Republik, dotiert mit 30.000 Euro, wird Lipuš am 1. Oktober verliehen. "Seine Literatur baut auf ästhetische Autonomie, sprachliches Experiment und literarische Innovation", lobte Kulturminister Gernot Blümel.

In einer Aussendung am Donnerstag begründete der 21-köpfige Österreichische Kunstsenat, der den Preisträger vorschlägt, seine Wahl nicht zuletzt mit Lipuš' bekanntestem Werk aus dem Jahr 1981: Im "Zögling Tjaz", übersetzt von Peter Handke und Helga Mracnikar sei bereits "sein gesamtes erzählerisches Opus thematisch angelegt, das er in zahlreichen Romanen und Erzählungen weiterentwickelt und entfaltet hat". Lipuš behandle stets "den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Vertreibung und Ermordung der Kärntner Slowenen, die Geringschätzung der slowenischen Minderheit durch die Mehrheitsbevölkerung, aber auch die Rettung der schwindenden Welt slowenischer Wörter und Wendungen als Grundlage einer neuen selbstbewussten Identität."

Mutter im KZ ermordet

Florjan Lipuš wurde am 4. Mai 1937 in Lobnig/Lobnik bei Eisenkappel/Zelezna Kapla geboren. Er musste als Kind mitansehen, wie seine Mutter - nachdem sie eine als Partisanen verkleidete Gruppe von Gestapo-Männern bewirtet hatte - vor seinen Augen verhaftet wurde. Sie wurde im KZ Ravensbrück ermordet, während sein Vater in der Wehrmacht dienen musste. Von 1960 bis 1998 war Lipuš als Volksschullehrer und -direktor tätig. Zugleich war er von 1960 bis 1980 Herausgeber der Kärntner-slowenischen Literaturzeitschrift "Mladje" und veröffentlichte zahlreiche Erzählungen, Romane und Essays.

Zu Lipuš' bekanntesten Werken zählen "Der Zögling Tjaz", "Die Beseitigung meines Dorfes", "Die Verweigerung der Wehmut" und "Herzflecken" sowie der im Suhrkamp Verlag erschienene Roman "Bostjans Flug" in deutscher Übersetzung. Für diesen 2003 erschienenen Roman wurde Lipuš 2004 mit dem France-Preseren-Preis und 2011 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet. 2005 erhielt er den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, 2013 den mit 14.500 Euro dotierten Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz.

Waterhouse trat aus Protest aus Kunstsenat aus

Der Große Österreichische Staatspreis wird von der Republik Österreich vergeben und geht jedes Jahr an eine Künstlerpersönlichkeit aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur oder Musik in nicht festgelegter Rotation. Im Vorjahr war die Künstlerin Renate Bertlmann ausgezeichnet worden, erst 2016 kam mit Gerhard Roth ebenfalls ein Literat zum Zug. Der aus Protest gegen das ÖVP/FPÖ-Regierungsprogramm aus dem Kunstsenat ausgetretene Autor Peter Waterhouse hatte an der Abstimmung über den heurigen Staatspreisträger noch teilgenommen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 09:20:00
Letzte Änderung am 2018-07-05 11:04:39


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