Raben stehen in Sachen Weitsicht Schimpansen um nichts nach. - © Zentralbild/Patrick Pleul
Raben stehen in Sachen Weitsicht Schimpansen um nichts nach. - © Zentralbild/Patrick Pleul

Berlin. Wanderschuhe oder Badeanzug? Warme Jacke oder Shorts? Schicke oder legere Klamotten? Oder alles zusammen? Viele Menschen stehen dieser Tage grübelnd vor ihren Koffern. Gar nicht zu reden von grundsätzlicheren Ferienfragen: Sollte man diesmal doch lieber mit der Bahn fahren? Im Ferienhaus wohnen statt im Hotel? Und will man die Reisegefährten vom vorigen Jahr wirklich wieder drei Wochen um sich haben? Oder nerven die doch zu sehr? Urlaubsplanung kann schon eine echte Herausforderung sein. Zum Glück hat die Evolution die Menschheit auf solche Situationen vorbereitet. Unser Gehirn ist gut darin, Erfahrungen zu speichern. Daraus lässt sich ableiten, was man heute tun sollte, um morgen ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Zwar schützt so ein planerisches Vorgehen nicht vor Enttäuschungen, doch vergrößert es die Erfolgschancen.

Lange hatten Forscher diese Form von Weitsicht für ein spezielles Talent des Menschen oder seiner näheren Verwandtschaft gehalten. Doch davon kann keine Rede sein: Experimente haben gezeigt, dass nicht nur Menschenaffen, sondern auch Raben, Krähen und Co. Pläne für die Zukunft schmieden. Dabei ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Etliche Versuche mit Kleinkindern zeigen, dass selbst Menschen nicht als Planungs-Genies geboren werden.

Mentale Reise in die Zukunft

So haben Jonathan Redshaw und Thomas Suddendorf von der University of Queensland Drei- und Vierjährige vor verschiedene Aufgaben gestellt. Sie sollten etwa das passende Werkzeug auswählen, um eine Kiste zu öffnen. Oder sie erfuhren, dass "Ellie der Elefant" gern Bananen fraß. Also galt es, aus einer Kollektion von Plastikobst den gewünschten Leckerbissen zu holen und die Handpuppe damit zu füttern.

Das war für die Kinder kein Problem, wenn sie das Werkzeug oder Obststück gleich zum Einsatz bringen konnten. Anders sah die Sache aus, wenn sie für eine Viertelstunde aus dem Raum geführt und abgelenkt wurden. Erst danach durften sie dann ein Werkzeug oder eine Frucht wählen. Sie mussten sich nicht nur an die Aufgabe erinnern, sondern auch voraussehen, dass sie den jeweiligen Gegenstand brauchen würden. Die meisten Dreijährigen waren überfordert, bei den Vierjährigen klappte es besser. Offenbar beginnen Menschen ungefähr in diesem Alter, mental in die Zukunft zu reisen.

Ähnliche Versuche haben Forscher auch mit Menschenaffen gemacht, die sich auch weitsichtig zeigten. So haben Nicholas Mulcahy und Josep Call vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig Orang-Utans und Bonobos beigebracht, mit einem Werkzeug einen Leckerbissen aus einem Apparat heraus zu holen. Anschließend stellten sie den Tieren zwei geeignete und sechs ungeeignete Hilfsmittel zur Verfügung. Nach fünf Minuten Bedenkzeit mussten die Affen den Raum verlassen und sich eine Zeit lang in einem Wartezimmer aufhalten. Dann durften sie zurückkommen und erneut versuchen.