Erl/Wien. Fünf Künstlerinnen richten schwere Vorwürfe gegen den Dirigenten und künstlerischen Leiter der Festspiele Erl in Tirol. Bei den Künstlerinnen, die zwischen 1998 und 2017 in Erl tätig waren, handelt es sich um Aliona Dargel, Violinistin aus Weißrussland, die deutsche Sopranistin Bettine Kampp, Violinistin Ninela Lamaj aus Albanien bzw. Italien, Mezzosopranistin Julia Oesch und Sopran Mona Somm aus der Schweiz.

In ihrem offenen Brief an Hans Peter Haselsteiner, den Präsidenten der Festspiele Erl, schreiben sie unter anderem: "Wir sind direkt Betroffene, Zeuginnen oder Mitwissende davon, dass es zu unserer Zeit anhaltenden Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe von Seiten des künstlerischen Leiters gegeben hat. (. . .) Regelmäßig waren wir der ungehemmten Aggression des künstlerischen Leiters ausgesetzt. Massive seelische Gewalt in Form von Mobbing, öffentlicher Bloßstellung, Demütigung und Schikane stand an der Tagesordnung."

Gustav Kuhn hat die Vorwürfe über seinen Anwalt zurückgewiesen und mögliche Klagen in den Raum gestellt. Sein Mandant werde sich gegen diese "Menschenjagd" mit den Mitteln des Rechtsstaates zu wehren wissen, teilte Anwalt und Ex-Justizminister Michael Krüger der APA mit.

Aus dem Büro von Kulturminister Gernot Blümel hieß es in einem Statement: "Das Bundeskanzleramt hat in Abstimmung mit dem Land Tirol die Geschäftsführung bereits aufgefordert, umgehend alle nötigen Schritte einzuleiten, um für rasche und umfassende Aufklärung zu sorgen."

Auch die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat sich eingeschaltet. Man prüfe von Amts wegen einen möglichen Anfangsverdacht.