• vom 31.07.2018, 19:20 Uhr

Kultur

Update: 31.07.2018, 19:24 Uhr

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Nur das Schaf darf gratis




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Von Bernhard Baumgartner

  • Das südenglische Stonehenge ist eines der Musterbeispiele gnadenloser Kultur-Vermarktung.

Kein Zutritt: Das Innere von Stonehenge ist trotz enormer Eintrittspreise tabu. - © Baumgartner

Kein Zutritt: Das Innere von Stonehenge ist trotz enormer Eintrittspreise tabu. © Baumgartner

Salisbury. Die Stimmung ist friedlich. Vereinzelte Schafe grasen auf den üppigen, grünen Grasflächen der Salisburys Planes im malerischen Südengland. Hügelgrab hin, neolithischer Graben her: Das Gras schmeckt offensichtlich - zumal in so geschichtsträchtiger Gegend. Denn die Schafe haben es gut. Jeden Tag dürfen sie sich hier, bei Stonehenge im Angesicht der meterhohen Granitsteine, kostenlos bewegen. Nicht genau im Steinkreis, aber doch zumindest in der Nachbarschaft.

Die Idylle wird eigentlich nur durch die braunen Shuttle-Busse gestört, die im Fünf-Minuten-Takt Schaulustige aus aller Welt zum Weltkulturerbe Stonehenge karren. Denn mit dem eigenen Pkw vor Ort parken darf man dort schon lange nicht mehr. Geparkt wird nun auf einem gigantischen Parkplatz vier Kilometer entfernt, beim neuen "Besucherzentrum", das im Wesentlichen aus zwei Dingen besteht: Kassen und einem exzellent ausgestatteten Shop. Sicher, eine Steinzeit-Ausstellung gibt es auch, doch nur wenige Besucher gönnen sich die Muße, sie anzusehen.


In langen Schlangen geht es lieber zu den Shuttle-Bussen, die die Menschen die letzten Kilometer zum Objekt der Begierde bringen. Dort wird ausgestiegen, im Uhrzeigersinn einmal um die Sehenswürdigkeit gegangen, ein Selfie gemacht und mit dem Shuttlebus wieder zurückgefahren. Der Shop mit Hoodies, Kappen, Plastikmodellen und Stonehenge-Memorabilia in allen nur erdenklichen Sorten wartet ja schon.

Hinter diesem für die Kassa ausgesprochen vorteilhaften Besuchermanagement steht Englisch Heritage. Diese Stiftung öffentlichen Rechts, die dem Treasury (dem britischen Finanzministerium) untersteht, verwaltet seit der Gründung 2015 mehr als 400 historische Sehenswürdigkeiten, darunter alle großen Anlagen, die nicht der Krone direkt unterstehen: Stonehenge, Dover Castle, Tintagel Castle, aber auch Hadrian’s Wall oder das Schlachtfeld von Hastings (1066 Country) gehören dazu. Besser gesagt: Sie werden von English Heritage finanziell verwertet. Denn die Eintritte haben es in sich: Knapp mehr als 20 Euro kostet der Eintritt zu Stonehenge pro Erwachsenen, Kinder zahlen immerhin auch noch 14 Euro. Der gedruckte Führer schlägt noch einmal mit neun Euro zu Buche und für das Parken werden knapp sechs Euro fällig. Eine Familie mit Kind lässt so jedenfalls 66 Euro dort - vorausgesetzt, man übt sich im Shop mit Nein-Sagen, denn das Angebot ist üppigst.

65-Euro-Jahreskarte
Für die eigene Bevölkerung hat man sich eine Jahres-Mitgliedschaft überlegt, die 65 Euro pro Erwachsenen kostet und für alle 400 Attraktionen des Heritage gilt. Der Preis ist in der Tat gut gewählt. Er ist wohl nicht rentabel für den Durchschnittsbesucher, ein echtes Schnäppchen jedoch für die Einheimischen.

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Dokument erstellt am 2018-07-31 16:35:18
Letzte Änderung am 2018-07-31 19:24:27


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