- © Illustration: Adobe Stock/K. Kuehne, A. Prokopovich
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Wos soe, bittä, a Windlmeacedes sei? - Pardon, parlieren wir der Lesbarkeit zuliebe hochdeutsch: Ein Windelmercedes ist "ein scherzhafter Ausdruck für einen Kinderwagen - das Fahrzeug muss aber nicht besonders luxuriös sein. Es hat auch keine Probleme mit den gesetzlichen Abgasnormen, selbst wenn die Windeln voll sind." So definiert Robert Sedlaczek das Gefährt in seinem neuen Buch "Österreichisch für Fortgeschrittene".

Sedlaczek, in Wien geborener Journalist und Sachbuchautor, hat sich wiederholt, unter anderem auch in der "Wiener Zeitung", um die Erklärung und Bewahrung von Ausdrücken des Österreichischen Deutsch und seiner Dialekte verdient gemacht. Diese Arbeit setzt er auf launige Weise in seinem neuen Buch fort. Martin Czapka unterstützt ihn dabei mit witzigen Zeichnungen. Da sticht beispielsweise ins Auge, dass der Tatzelwurm, gemeinhin ein Lindwurm, nun mutiert ist zu einem Gelenkbus - man lernt nicht aus, selbst, wenn man meint, im Wienerischen halbwegs zu Hause zu sein.

Regionale Sprachausprägungen

Ein ewiger Streitpunkt, dem kein Buch dieser Art entgeht, ist die Schreibung des Dialekts: Für die Feintönung der Laute fehlen die Zeichen. Sedlaczek entscheidet sich für die konservative Variante (die etwa auch Josef Weinheber für seine "Wien wörtlich"-Gedichte wählt), indem er so nahe als möglich an der hochsprachlichen Schreibung bleibt und sie fallweise um ein å für den Laut zwischen a und o ergänzt. Das liest sich dann etwa "åbschasseln" oder "påtschert", während H. C. Artmann, etwa in seinen maßstabsetzenden Dialektgedichten "med ana schwoazzn dintn", jegliche Zusatzzeichen vermeidet und die Schreibung, unter Missachtung des Hochdeutschen und der leichten Lesbarkeit, näher an den gesprochenen Lautwert heranrückt. Im konkreten Fall würden die beiden Beispiele in Artmanns Schreibweise "oschassln" und "botschad" geschrieben. Angesichts des lexikalischen Aufbaus bei Sedlaczek würde der Leser freilich beide Wörter unter irrigen Anfangsbuchstaben finden. Oder soll man dem Leser ein Meer von Verweisen zumuten, in dem in einem launigen Buch alle Heiterkeit schnell versinkt? Zumal ja ein "Richtig" oder "Falsch" in dieser Frage ohnedies nicht existiert.

Zwischen "Damenspitz", "Hirnwichser", "tschentschen" und zu guter Letzt auch noch "zwiefeln" stellt sich eine ganz andere Frage: Auf der einen Seite soll Europa zusammenwachsen, einige Enthusiasten hoffen sogar auf eine Entwicklung von Staatenbund zum Bundesstaat. Auf der anderen Seite haben regionale Sprachausformungen noch nie in einem vergleichbaren Ausmaß Erfolg im Buchhandel gehabt.

Das kann nicht allein mit originellen Bildungen wie "kurazeln" (steirisch für das, was wienerisch "schnackseln" heißt und hochdeutsch "Geschlechtsverkehr haben") oder "Gewurl" (wienerisch für Gewimmel, Trubel) und vielen anderen erklärt werden. Vielleicht steckt dahinter doch eine Besinnung auf die eigene Sprache, eine Abkehr vom Synchronisations-Deutsch, das uns die Fernsehserien täglich ins Haus liefern und das sich bis in unsere Alltagssprache schleicht. Vielleicht ist es sogar noch mehr, nämlich die Suche nach einer Heimat in der Sprache.

Scheinbar nur heitere Bücher wie dieses sehr empfehlenswerte von Robert Sedlaczek erfüllen also nicht nur die Aufgabe einer Bewahrung von Sprache, sondern auch die einer Vermittlung regionaler Sprachausformungen. Man kann solchen Büchern nicht genug Leser wünschen.