Viele der großen Erfindungen der Menschheit sind über Fehler entstanden. Etwas funktionierte nicht wie gewünscht, die falschen Substanzen wurden vermischt, und schon war die Weltneuheit da. Das sind Fehler, die gefeiert werden - die Fehler, die nicht in große Erkenntnisse münden, haben indes ein Imageproblem.

Dennoch bekommen die Fehler heute mehr Bühne als früher: Businessflops werden in Fuck-up-nights bejubelt, jedes Storytelling wird mit persönlichem Scheitern eingeleitet, das Ars Eletcronica Festival widmet dem Fehler gar ein ganzes Festival: "Error - The Art of Imperfection" beschäftigt sich noch bis Montag mit der kreativen Kraft von Fehlern, der Unvollkommenheit als Potenzial für Lösungen - und gastiert damit bereits zum vierten Mal in der Post City am Bahnhof, einem gigantischen Raum mit Industriecharme.

Bereits wenige Minuten nach Start des Festivals wurlt es in den zahlreichen Räumen, es wird experimentiert, gestaunt, gesucht. In der Conference Hall gibt es erste Inspirationstalks: "Neues kann nur entstehen, wenn es auch schiefgehen darf", postuliert eine der Teilnehmerinnen. Nicht zum letzten Mal bei diesem Festival ist der Mensch im Mittelpunkt: Auch beim Himatsubushi Trail, der die Besucher auch auf das Dach der Post City führt und als entschleunigter Ort ein Gegenpol zu Optimierung ist. Dieser Bereich, ganz klar eines der Höhepunkte des Festivals, widmet sich der "Art of Time Killing". Das japanische Wort "Hima" steht für die Zeit, die man unerwartet geschenkt bekommt: wenn ein Meeting abgesagt wird, man auf einen verspäteten Zug oder einen Download wartet. Himatsubushi steht für den Zugang, diese Zeit einfach totzuschlagen, zu entspannen.

Die "Flower of Time" von Hideaki Ogawa und Kyoko Kunoh ist ein poetischer Einstieg in die ruhige inspirierende Gruppenausstellung: Die Besucher kleben Blütenblätter an Uhren, die unterschiedliche Zeitspannen anzeigen. Was würdest Du mit einer geschenkten Stunde anfangen?

Wenige Schritte weiter gelangt man auf die Dachterrasse, kann bei einem Rundblick über die Stadt entspannen. Hier haben auch Erwin Wurms "One Minute Sculptures" Platz, und das Projekt "Mother’s Hand Taste", das anhand von Bakterien von Müttern erkundet, was den Geschmack von Kindheit ausmacht.

Innehalten im Alltag

Im Himatsubushi Lab entdeckt man Stifte, mit denen man nicht schnell schreiben kann, ein Metronom von Yasuhiro Suzuki, das die Zeiten der Natur anzeigt - von einer Minute bis zu 10.000 Jahren.