• vom 07.09.2018, 11:08 Uhr

Kultur

Update: 07.09.2018, 11:10 Uhr

Ars Electronica

Stahl aus 3D-Drucker "um Dinge schöner zu machen"




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Von WZ Online, APA

  • MX3D hat mit seiner Entwicklung den Starts Prize der EU gewonnen, der heute Abend übergeben wird.

Verspielt, verschnörkelt, geschwungen, gewunden - das Unikat aus dem 3D-Drucker lässt auf den ersten Blick die Vorzüge des Verfahrens erkennen.

Verspielt, verschnörkelt, geschwungen, gewunden - das Unikat aus dem 3D-Drucker lässt auf den ersten Blick die Vorzüge des Verfahrens erkennen.© APAweb, Ulrike Innthaler Verspielt, verschnörkelt, geschwungen, gewunden - das Unikat aus dem 3D-Drucker lässt auf den ersten Blick die Vorzüge des Verfahrens erkennen.© APAweb, Ulrike Innthaler

Linz. Das Team MX3D und Joris Laarman Labor hat die erste Stahlbrücke aus dem 3D-Drucker entworfen. Die Idee sollte Geldgeber vom Hocker hauen und gewann den Starts Prize der EU - der in Kooperation mit der Ars Electronica heute Abend in einer feierlichen Gala vergeben wird. Ein Teil der zwölf Meter langen Brücke ist in der Startausstellung in der PostCity zu sehen.

Verspielt, verschnörkelt, geschwungen, gewunden - das Unikat aus dem 3D-Drucker lässt auf den ersten Blick die Vorzüge des Verfahrens erkennen. "Man kann damit Formen herstellen, die bisher unmöglich waren. Man kann sich beim Design austoben", erläutert Tim Geurtjens vom Team MX3D im APA-Gespräch. Eine ganze Brücke so herzustellen, werde wohl nicht Schule machen, zeige aber, dass das gedruckte Material stark genug und belastbar sei. "Die Brücke, die wir gebaut haben, kann man nur mit unserer Technik machen. Der Wert liegt in der Komplexität, die man drucken kann. Es geht uns darum, die Dinge schöner zu machen", spricht er die neu eröffnete Denkweise im Design an.

Technik aus Schutzgasschweißen entwickelt

Das niederländische Team entwickelte seine Technik aus dem Schutzgasschweißen, indem Roboter, Schweißgerät und Drucker mit einer Software perfekt verbunden werden. "Wir hatten das am Anfang unterschätzt", gesteht Geurtjens. "Wir dachten wir montieren ein Schweißgerät auf einen Industrieroboter und los geht's. Dabei ist Schweißen eine eigene Kunst." Mit Unterstützung von Programmierern, Spezialisten und Firmen gelang es aber, die neue Technik zu perfektionieren und kleinere Arbeiten auszuführen.

Als die Truppe bei einem möglichen Investor in den USA eingeladen war, "saßen wir am Vorabend des Meetings zusammen und überlegten, was die Leute von Autodesk beeindrucken, wirklich aus den Latschen kippen könnte", erzählt Geurtjens. Da sie alle aus Amsterdam kommen, mit vielen Grachten und Brücken, war die Idee rasch geboren. "Als wir am nächsten Tag das Glitzern in den Augen der Geldgeber sahen, mussten wir das machen."

Es sei nicht immer einfach gewesen. Oft habe sich dem Team die Frage "Wie machen wir das jetzt?" gestellt. "Das Projekt war größer als alles, was zuvor in Metall gedruckt wurde, finanzielle Probleme tauchten auf." Drei Jahre dauerte es von der Idee bis zum - fast - fertigen Designerstück, wobei quasi alles neu erfunden, erprobt, mitunter auch verworfen und neu erdacht werden musste. "Würden wir jetzt die Brücke noch einmal bauen, wäre sie in drei Monaten fertig", verdeutlicht Geurtjens wie viel Hirnschmalz und trial and error in dem Projekt stecken. Bedenkt man die wechselnde Besetzung des Teams, alle Unterstützer - finanziell wie durch Leihgaben oder Expertise - haben sicher über hundert Leute zum Gelingen beigetragen, ist der sympathische Niederländer dankbar.

Technik mit Zukunft

"Der Starts Prize zeigt uns, dass unsere Technik eine Zukunft hat und dass bemerkt wurde, was wir tun", sagt Geurtjens, der Maschinenbau und Produktdesign studierte. Führt die Brücke erst über die Oudezijds Achterburgwal in Amsterdam, werden noch viel mehr Leute von dem Projekt erfahren bzw. es unter den Füßen spüren. Ursprünglich wollten die Kreatoren ihr Designobjekt live über das Wasser drucken, das sei aber wegen diverser Auflagen nicht möglich gewesen. Nun soll das Stahlunikat in fertigem Zustand mitten in der Stadt montiert werden - mit einem rutschfesten Belag über den kunstfertigen Stahlverstrebungen.

Geurtjens kann es kaum erwarten, das erste Mal mit seinen Kollegen, seiner Tochter und der Freundin über die Brücke zu gehen, "uns anzuschauen und stolz darauf zu sein, was wir geschafft haben". Der Enthusiasmus und, dass man das, was man macht, wirklich sehr gern tut, waren der Schlüssel zum Gelingen des Projekts und auch zum Starts Prize, ist sich der 41-Jährige sicher. Gespräche mit Partnern aus der Industrie laufen bereits, auch architektonische Projekte gibt es und eine neue, verrückte Idee: Ein Aluminiumboot aus dem 3D-Drucker. "Es wäre doch schön, damit über die Grachten zu fahren", lacht Geurtjens.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 11:10:01
Letzte Änderung am 2018-09-07 11:10:57


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