Alpakas und Lamas ist kaum noch zu entkommen. - © Adobestock/Thaifinn
Alpakas und Lamas ist kaum noch zu entkommen. - © Adobestock/Thaifinn

Von einem Tag auf den anderen waren sie da. Also nicht nur da. Sie waren überall. Und zwar überall, wo vorher die Einhörner waren und mit Glittergrinsen ihre Regenbögen in den Äther gefurzt haben. Die Lamas kamen in Horden angetrabt und haben, wahrscheinlich in einer konzertierten Spuck-Aktion, die Einhörner einfach weggefegt.

Spätestens, wenn sich unbemerkt südamerikanische Kameltiere in allen erdenklichen Produktvarianten im Eigenheim eingeschlichen haben - also man dem Lurch mit Staubwedel in puscheliger Lamaform zu Leibe rückt, Mini-Kakteen in ausgehöhlte Mini-Alpakas pflanzt und Ringe an langen Porzellan-Lamahälsen aufbewahrt, spätestens dann wäre es an der Zeit, zu fragen: Warum eigentlich Lamas?

Denn es kann unmöglich Zufall sein, dass von den Schreibwarenabteilungen über die Designshops bis zu den Drogeriemärkten (Lama-dekoriertes Handwaschgel für unterwegs!) jeder Winkel der Konsumwelt von Lamas und ihren Verwandten, den Alpakas, nachgerade überrannt worden ist. Man kann also getrost von einem Trendtier sprechen. Die Branche bezeichnet Motive so, die den Sprung aus der Kinderabteilung in die Dekorwelt der Erwachsenen geschafft haben. Das Lama steht dabei in der stolzen Nachfolge etwa des Flamingos und der Eule. Auch so Viecher, ohne die sich vor nicht allzu langer Zeit ein Kaffeehäferl oder eine Handyhülle kaum mehr vorstellen ließen.

Die Eule flog dem
Flamingo voraus

2015 fiel die Wahl auf die Eule, das Trendmotiv kündigte sich aber schon länger an. Meistens beginnt so eine Karriere sehr viel früher, bei der Eule wahrscheinlich, um ein wenig Trendarchäologie zu betreiben, mit den "Harry Potter"-Büchern. Manchmal folgen dann ulkige Videos im Internet, die belegen, warum ein Tier das gewisse Etwas hat. Oft bringt ein Trendtier eine ganze Menge Kollegen aus seiner angestammten Szenerie mit, im Fall der Eule war das damals Waldgetier wie Fuchs, Dachs und Igel. Im Fall des Flamingos, der der Eule als ihr sehr viel schlankeres, sehr viel pinkeres Pendant nachfolgte, waren das Versatzstücke einer tropischen Traumwelt wie Palmen. Das Trend-Beiwagerl des Lamas ist übrigens das Faultier. Das wiederum hat seinen Durchbruch als Beamter in Zeitlupe im Disney-Film "Zoomania" vor zwei Jahren gehabt. Trendforscher wissen aber, dass so ein Auftritt mitnichten den Grundstein für den Dernier Cri der Fauna abgibt. Da hätte ja das Lama schon vor 17 Jahren den Karriereschub durch den (trefflich unterschätzten) Trickfilm "Ein Königreich für ein Lama" nützen können. Viel wirkungsvoller sind da etwa Sichtungen der Spezies in Szenelokalen - bei Faultieren gern im Umfeld von Marihuanakonsum - oder auch als Tattoos auf der Haut von Früher-Wissern und Beeinflussern.