Dominikanische Republik, Playa de Encuentro im Frühjahr 2017. Yanti ist sieben Monate alt und zum ersten Mal in der Karibik. Der Atlantik hat eine besondere Wirkung auf sie. Sie sitzt am Strand unter einer Palme, atmet die frische Meeresluft ein, beobachtet fasziniert die sich brechenden Wellen, lächelt unentwegt.

Yanti ist ein sehr entspanntes Kind. "Una niña especial", also ein "ganz spezielles Mädchen", wie man dort in der Landessprache bemerkt. Das kleine strohblonde Mädchen wird wegen ihrer mandelförmigen Augen auch "La China" genannt. Für Fabian Sixtus Körner, "Journeyman" und Weltabenteurer, sind das schöne Formulierungen für Menschen mit Trisomie 21.

In seinem jüngsten Bestseller "Mit anderen Augen" erzählt er, dass es ihn besonders berührt habe, als ihm während des dreimonatigen Aufenthalts in der Dominikanischen Republik eine Frau seine Tochter einfach so aus dem Arm nahm, um mit ihr zu kuscheln. Dort habe man sein Kind so behandelt wie es ihm gebührt, nämlich wie ein kleines Baby.

Fabian Sixtus Körner geboren 1981, ist Designer, Fotograf, Innenarchitekt, Surfer und Blogger. Anfang 2010 begann er die Welt zu bereisen und für Kost und Logis zu arbeiten. Innerhalb von zwei Jahren besuchte er alle fünf Kontinente, seit April 2012 lebt und arbeitet er in Berlin. Inzwischen ist er Bestseller-Autor. - © privat
Fabian Sixtus Körner geboren 1981, ist Designer, Fotograf, Innenarchitekt, Surfer und Blogger. Anfang 2010 begann er die Welt zu bereisen und für Kost und Logis zu arbeiten. Innerhalb von zwei Jahren besuchte er alle fünf Kontinente, seit April 2012 lebt und arbeitet er in Berlin. Inzwischen ist er Bestseller-Autor. - © privat

Jenen offenen Umgang, den die Einheimischen miteinander pflegen, gäbe es in Deutschland kaum, schreibt Fabian Sixtus Körner. Zu Hause stolpere er immer wieder über ausweichende Blicke und dieses Nicht-konfrontiert-werden-Wollen mit Menschen mit Downsyndrom. In Wahrheit empfindet er das Mitleid, das seiner behinderten Tochter entgegengebracht wird, als unerträglich. Als Beispiel nennt er die Beileidsbekundungen zur Geburt.

Berlin-Kreuzberg, Geburtsstation im Krankenhaus, sieben Monate davor: Fabian Körner erlebt einen kleinen Schockmoment. Die Frage "Warum ich?" fährt ihm durch den Kopf, als er seine frisch geborene Tochter an diesem spätsommerlichen Tag im Arm hält und sie ihm das erste Mal in die Augen blickt. "Mit Augen unter schrägen Lidern hielt sie meinem Blick stand, mehr noch, was im Grunde gar nicht sein konnte: Yanti fokussierte mich", berichtet er. "Ich las in ihren Augen: Was machen wir daraus?" Es dauert eine Weile, bis es ausgesprochen wird. Yanti hat das Downsyndrom.

Seine erste Nacht als Vater erlebt er zunächst im Schock. Zuweilen stürzt er in ein emotionales Chaos. Er führt Zwiegespräche mit sich selbst und stellt sich so manche Schlüsselfragen: Wie geht man überhaupt mit so einer Nachricht um? Weitermachen wie bisher? Oder erfüllt sich die größte Angst, ein sesshaftes, vorhersehbares Leben zu führen? Kommt das Leben überhaupt zum Stillstand? Es war ihm schon klar, dass sein Leben als frischgebackener Familienvater ein anderes sein würde, aber musste es so kommen? Er, der ein gutes Stück des Lebens quasi im Egotrip permanent auf Reisen war, ständig den verhassten Routinen und dem Alltag entkommen konnte und plötzlich passiert so etwas.