• vom 11.10.2018, 16:44 Uhr

Kultur

Update: 12.10.2018, 15:27 Uhr

Interview

"Die Krankheit zuerst verstehen"




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Von Stefan Beig

  • Der umstrittene Bestsellerautor Thilo Sarrazin über seine Koran-Lektüre, muslimische Klischees und Schüren von Hass.

- © ap/Katja Lenz/dapd

© ap/Katja Lenz/dapd

Wien. Als rückständig und hasserfüllt gegenüber Ungläubigen beschreibt der umstrittene Bestsellerautor Thilo Sarrazin in seinem jüngsten Buch "Feindliche Übernahme" die muslimische Mentalität. Für die Demokratie, legt seine Analyse nahe, sind sie damit wenig qualifiziert. Wie schon für seinen 2010 erschienenen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" erntet der Volkswirt und frühere Berliner Finanzsenator dafür viel Zuspruch und massive Kritik. Die "Wiener Zeitung" traf in am Rande seines jüngsten Wien-Besuches zum Interview.

"Wiener Zeitung": Sie beschreiben in Ihrem Buch die "mentale Prägung der Muslime" durch Auflistung von Koran-Suren. Soziale und kulturelle Faktoren, die das Verhalten von Menschen ebenfalls prägen, klammern Sie aus. Ist das nicht ein sehr enger Zugang?


Thilo Sarrazin: Ich klammere diese Faktoren nicht aus. Ich zeige vielmehr, wie der Islam von Anfang an die islamische Gemeinschaft kulturell und sozial geprägt hat. Der Koran sieht in der Stammesgesellschaft der Arabischen Halbinsel, in der Mohammed aufgewachsen ist, die natürliche gesellschaftliche Ordnung. Natürlich habe ich nicht alles erklärt. Das gesamte Bild ist noch komplexer, aber wesentliche Bestandteile habe ich beschrieben.

Bei Ihrer Koran-Lektüre ignorieren Sie das umfassende Schrifttum der Koran-Exegeten und die Vielzahl an Koran-Interpretationen.

Ich habe ganz bewusst alles, was ich vorher über den Koran gehört habe, bei der Lektüre ausgeklammert und bin meinem unmittelbaren Textverständnis gefolgt. Ich habe beschrieben, wie ich den Koran als verständiger Laie verstehe, nachdem ich ihn von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen habe. Wenn ich ein Gedicht von Goethe lese, dann nehme ich auch nicht als Erstes eine Interpretation des Gedichts zur Hand. Ich möchte nicht zuerst wissen, was andere darüber gedacht haben. Genauso habe ich es beim Koran gemacht.

Aber ist es nicht plump zu sagen, die eigene Koran-Exegese sei die eigentlich repräsentative?

Das sage ich ja gar nicht. Es ist meine Interpretation und als solche stelle ich sie auch dar. Wenn Sie durch Lektüre der Koran-Suren zu einer anderen Interpretation gelangen als ich, können Sie diese mir ja mitteilen. Aber das tun Sie nicht, also haben Sie auch keine andere Interpretation.

Es gibt verschiedene Traditionen im Islam, die auch die jeweiligen Mentalitäten der Gläubigen geprägt haben. Allein die tradierten Bilder des Propheten Mohammed reichen vom gütigen Familienvater über den klugen Geschäftsmann bis hin zum erfolgreichen Feldherrn.

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Dokument erstellt am 2018-10-11 16:54:40
Letzte Änderung am 2018-10-12 15:27:40


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