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Kultur

Update: 25.10.2018, 17:16 Uhr

Ausstellungskritik

Das Schicksalsjahr Österreichs




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Von Edwin Baumgartner

  • Eine Fotoausstellung im Wien Museum dokumentiert das erste Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Ein Jahr Republik: Aufmarsch der Arbeiterräte vor dem Parlament, 12.
November 1919. Foto: Richard Hauffe.

Ein Jahr Republik: Aufmarsch der Arbeiterräte vor dem Parlament, 12.
November 1919. Foto: Richard Hauffe.
© Wien Museum. Ein Jahr Republik: Aufmarsch der Arbeiterräte vor dem Parlament, 12.
November 1919. Foto: Richard Hauffe.
© Wien Museum.

Am 11. November 1918 endet der Erste Weltkrieg mit einer Niederlage für das Habsburger-Reich. Das Kaiserhaus ist in Agonie verfallen. Doch im Volk rumort es. Schon einen Tag später, am 12. November, kommt es auf der Wiener Ringstraße bei strömendem Regen zu einem Massenaufmarsch. Schätzungen sprechen von bis zu 400.000 Menschen, die für ein neues Österreich auf die Straße gehen. In der Ausstellung "Die erkämpfte Republik" dokumentiert das Wien Museum das erste Nachkriegsjahr, in dem die Weichen für die Zukunft Österreichs gestellt werden.

Anfang des Fotojournalismus

Information

Ausstellung
Die erkämpfte Republik - 1918/19 in Fotografien
Anton Holzer (Kurator)
Wien Museum
Bis 3. Februar 2019

***

In den kommenden Wochen widmet sich die "Wiener Zeitung" intensiv dem Republiksjubiläum, unter anderem im "extra" (3. November), im "Wiener Journal" (9. November) sowie in einer WZ-Schwerpunkt-Ausgabe (10. November). Im Wiener Burgtheater findet am 11. November um 11 Uhr eine Matinée zu den Ereignissen des November 1918 statt.

Der 12. November ist aber auch der Beginn einer Fotojournalisten-Karriere: Gerade an diesem Tag macht Richard Hauffe seine ersten Fotografien - und natürlich ist es das Großereignis auf der Ringstraße, das er auf seinen Bildern festhält. Damit steht Hauffe gleichsam symbolisch für eine neue Epoche: Für den Beginn der Republik Österreich, den er dokumentiert, aber auch für den Anfang des Fotojournalismus. Denn der Umbruch in Österreich ist das erste politische Großereignis, das auf diese Weise ins Bewusstsein dringt. Die meisten Bilder der russischen Revolution von 1917 nämlich entstammen Spielfilmen oder wurden nachgestellt.

Richard Hauffe hielt auf Fotos die Ereignisse des 12. November 1918 fest.

Richard Hauffe hielt auf Fotos die Ereignisse des 12. November 1918 fest.© Wien Museum Richard Hauffe hielt auf Fotos die Ereignisse des 12. November 1918 fest.© Wien Museum

150 Fotografien Hauffes besitzt das Wien Museum. So konzentriert sich die Schau auf Hauffes Bilder und ergänzt sie mit weiterem Fotomaterial, die dieses Jahr der politischen Gärung vor Augen führen: Aufmärsche und Not, Elend und Hoffnung sprechen aus diesen Bildern.

Ringen um eine Nation

Über allem steht die eine Frage: Österreich - was ist das? Eben noch war Österreich ein riesiger Vielvölkerstaat. Jetzt ist es ein kleines Land. Ist es überhaupt eine Nation? Ist es überlebensfähig in der Selbständigkeit oder soll es sich an Deutschland anschließen? Noch 1919 ist für Otto Bauer, den sozialdemokratischen Staatssekretär für Äußeres, klar: "Kommt der Anschluß nicht zustande, so wird Österreich ein armseliger Bauernstaat."

Auf der anderen Seite stehen die Kommunisten. In Wien sind sie besonders stark. Auf das Kaiserreich soll die Diktatur des Proletariats folgen. Die Kräfte der Vernunft, die in einer selbstständigen Republik die Zukunft sehen, müssen ihr Ideal in zähem Ringen erkämpfen.

Die Aura der Fotos speist sich also aus dem Abschied von einer großen Vergangenheit, den Hoffnungen und Zweifeln einer Gegenwart und der großen Zukunft einer Republik mit Demokratie und Freiheit, die wir, nach der Überwindung des Nationalsozialismus, heute erleben.



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Dokument erstellt am 2018-10-24 16:51:57
Letzte Änderung am 2018-10-25 17:16:01



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