• vom 04.03.2014, 20:07 Uhr

Kultur

Update: 04.03.2014, 21:48 Uhr

Rassismus

Schwarze Wolken




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Am Montag danach - die Story war längst von der Titelseite der TMZ-Website verschwunden - ergab die Google-Suche nach "Kardashian Vienna Racism" knapp über vier Millionen Ergebnisse. Von Baltimore bis San Diego empörten sich User über die Behandlung einer Person, die sonst von der amerikanischen Öffentlichkeit ob ihres Images - Kim Kardashian ist, wie ihre Mutter und ihre Schwestern, vor allem für ihre Berühmtheit berühmt - alles andere als zart angefasst wird. Dem Sturm der Empörung folgten (auch in zahlreichen US-Medien zitierte) Entschuldigungen der zwei Komiker, die als Ursache für ihr Tun nicht Absicht, sondern Ignoranz anführten. Tenor: Es täte einem leid, aber man habe halt schlicht und einfach nicht gewusst, dass das alles so schlimm sei, das mit dem "Blackfacing" und das mit dem N-Wort. Sie deswegen fristlos zu entlassen beziehungsweise nie wieder einzuladen - was sich in den USA selbst ein schwerst konservativer Sender wie etwa Fox News angesichts der Fakten am Boden nicht nicht leisten könnte - finden die heimischen Senderverantwortlichen aber offenbar überzogen.

Zahlreichen Kommentaren in den Online-Foren österreichischer und deutscher Medien zufolge scheinen viele Leute diese Haltung zu teilen. Die allgemeine Fassungslosigkeit, die auf der anderen Seite des Atlantiks angesichts der Causa herrscht, wird als harmlos abgetan und nachdem es ja nicht etwa um den Präsidenten geht, der wie Kim Kardashians Verlobter Kanye West Afroamerikaner ist, wird das alles scheinbar als halb so schlimm wahrgenommen. Motto: Ein Spaßerl wird man sich mit dieser Art von Schwarzem und seiner Frau ja noch erlauben dürfen; die sind ja nur Stars im Kosmos der Popkultur und selbst offenbar nicht ganz bei Trost.

Was in Amerika wiederum zu Reaktionen führt, die all das bestätigen, was man dort immer schon über Österreich im Allgemeinen und Wien im Besonderen weiß, beziehungsweise zu wissen glaubt. Außerhalb der sogenannten bildungsnahen Eliten ist das nicht viel bis nichts: Mozart, "Sound of Music", Hitler, Schwarzenegger. Wenn’s hoch hergeht. Welches Bild das Land und seine Hauptstadt im Kontext der aktuellen Ereignisse angesichts dieser wenigen im kollektiven Gedächtnis verankerten abgeben, kann sich jeder selbst ausmalen.

Von der persönlichen Betroffenheit vieler Auslandsösterreicher in den USA und anderswo ganz abgesehen. (Wenn der Autor dieser Zeilen nach dem Anschauen der einschlägigen Opernball-Videos mit seiner dunkelhäutigen Lebensgefährtin zusammensitzt und sie nur halb im Spaß fragt, ob sie sich bei ihrem bevorstehenden Wien-Besuch darauf einstellen soll, von einer meiner weiblichen Freundinnen im Bananenkostüm empfangen zu werden, hört sich der "Spaß" endgültig auf; von der 16-jährigen Stieftochter, der angesichts der Erklärung, dass diese Komiker nicht irgendwelche dahergelaufenen Idioten sind, sondern Fernsehstars, die problemlos ihren Job behalten dürfen, buchstäblich der Mund offen stehen bleibt, ganz zu schweigen.)

Ein Millionenpublikum
Wer glaubt, dass die größte Aufregung in den USA jetzt vorbei ist, täuscht sich indes gewaltig. Die an Sonntagen auf dem landesweit verfügbaren Kabelsender E! zur Primetime ausgestrahlte Reality-Show "Keeping up with the Kardashians" geht heuer in ihre neunte Staffel und ist in ihrer Kategorie mit derzeit 2,3 Millionen Zuschauern das erfolgreichste Format des Landes (zu Spitzenzeiten schalteten über vier Millionen ein). Nachdem die Kameras, die das Leben der anderen für ihre Berühmtheit berühmten Familienmitglieder festhalten, auch in Wien live dabei waren, dürfen sich die für die Vorfälle Verantwortlichen darüber freuen, dass sie spätestens ab dem Zeitpunkt der Ausstrahlung der entsprechenden Folge nicht mehr nur weltberühmt in Österreich sind. Gratulation.

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Dokument erstellt am 2014-03-04 18:53:04
Letzte Änderung am 2014-03-04 21:48:58


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