• vom 16.03.2011, 16:35 Uhr

Museum

Update: 18.12.2016, 02:51 Uhr

Museumsstücke

Holz und Kohle für die alte Kaiserstadt




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Von Johann Werfring

  • In dem in einer ehemaligen Spinnerei aus Kaisers Zeiten untergebrachten Stadtmuseum Traiskirchen wird Ehrenamtlichkeit auf Top-Niveau praktiziert.

Modell des Wiener Neustädter Kanals mit Kanalschiff, Pferd und Schiffsknecht im Stadtmuseum Traiskirchen. - © Johann Werfring

Modell des Wiener Neustädter Kanals mit Kanalschiff, Pferd und Schiffsknecht im Stadtmuseum Traiskirchen. © Johann Werfring

Am 12. und 13. Mai 1803 fand unter großem Jubel der Bevölkerung die Eröffnungsfahrt auf dem neuen "schiffbaren Wiener Canal" statt. Die erste Teilstrecke war geschafft. Anschließend sollte der Kanal bis nach Triest weitergebaut werden. Jedoch scheiterte der weitere Ausbau am Widerstand magyarischer Magnaten, weshalb der zwischen der kaiserlichen Residenzstadt und Wiener Neustadt fertiggestellte Wasserlauf schließlich nach seinem Endpunkt den Namen "Wiener Neustädter Kanal" erhielt.

Traiskirchen ist einer der Orte, die sich entlang des Kanals befinden und auch wirtschaftlich viel von ihm profitierten. Und weil der Betrieb am Wiener Neustädter Kanal bildlich nur ganz spärlich dokumentiert ist, kamen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Traiskirchner Stadtmuseums auf die Idee, den Besuchern die Kanalschifffahrt dreidimensional vor Augen zu führen.

Information

Stadtmuseum Traiskirchen
2513 Möllersdorf, Wolfstraße 18
Sonn- und Feiertage 8.30–12.30 Uhr
Tel. 0664/202 41 97
www.traiskirchen.gv.at

Das hier abgebildete Modell zeigt das auf dem Treppelweg von einem Pferd gezogene Kanalschiff. Nach britischem Vorbild benutzte man schmale und zugleich lange Kanalschiffe (22,8 Meter lang und 2,05 Meter breit). Während zu jener Zeit zwei Pferde mit einem Fuhrwerk auf der Straße lediglich zwei Tonnen Güter transportieren konnten, war es nun möglich, mit dem von einem Steuermann gelenkten Schiff, bei Vorspann eines einzigen Pferdes, bis zu 30 Tonnen zu bewegen.

Wegen der mäßigen Strömung musste die Schifffahrt auf dem hauptsächlich von der Leitha gespeisten Kanal in beiden Richtungen mit Pferdevorspann betrieben werden. Rund eineinhalb Tage Fahrzeit wurden für die Strecke zwischen der Donaumetropole und Wiener Neustadt benötigt.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Traiskirchner Stadtmuseums bauten zudem den Bug des Kanalschiffs in Originalgröße nach. In dem fünf Meter langen musealen Teilstück des Schiffs finden sich die hauptsächlichen Güter, die anno dazumal auf dem Wiener Neustädter Kanal transportiert wurden. In Richtung Wien befanden sich in den Schiffen vor allem Holz, Kohle und Ziegel, während in der Gegenrichtung unter anderem Salz, Zucker, Granit und Wein transportiert wurden.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verlor der Wiener Neustädter Kanal zusehends an Bedeutung, bis schließlich das Wiener Hafenbecken im Jahr 1879 zugeschüttet wurde. Südlich von Wien sind heute noch rund 36 der ursprünglich 63 Kilometer langen Strecke vorhanden. Der ehemalige Treppelweg ist heute ein idyllischer Fahrradweg.

Print-Artikel erschienen am 17. März 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-03-16 16:35:13
Letzte Änderung am 2016-12-18 02:51:41


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