• vom 25.08.2010, 12:12 Uhr

Museum

Update: 03.09.2015, 03:38 Uhr

Museumsstücke

Ein phallophiles Haus in Húsavík




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Eines der weltweit kuriosesten Museen – mit einer Sammlung von zahlreichen Säugetierpenissen – befindet sich in dem isländischen Städtchen Húsavík.

Die Sammlung beinhaltet eine Anzahl von Walphallus-Präparaten. - © Isländisches Phallusmuseum

Die Sammlung beinhaltet eine Anzahl von Walphallus-Präparaten. © Isländisches Phallusmuseum

Vor einigen Jahren lernte ich an der Wiener Universität einen Professor für Orientalistik kennen. Wie er denn darauf gekommen sei, sich auf dieses für österreichische Verhältnisse exotische Fach zu spezialisieren, wollte ich wissen. "Ach, wissen Sie, ich habe als Kind sehr viel Karl May gelesen, und so hat es mich später zur Orientalistik verschlagen," gab dieser zur Antwort.

In ähnlicher Weise, wenn auch unter völlig anderen Umständen, avancierte Sigurdur Hjartarson in dem isländischen Städtchen Húsavík zum Museumsdirektor. Im zarten Knabenalter hatte dieser nämlich eine Peitsche geschenkt bekommen, die aus einem Stierpenis hergestellt war.


Es ist mithin bemerkenswert, wie nachhaltig sich kindliche Erlebnisse auf das spätere Leben auswirken können. Im Falle von Sigurdur Hjartarson erwuchs aus der frühen Bekanntschaft mit dem animalischen Geschlechtsteil später eine Sammelleidenschaft, der er sich seit geraumer Zeit nicht mehr entziehen kann (und auch nicht möchte).

Sigurdur Hjartarson, Direktor des Isländischen Phallusmuseums, mit Penistelefon.

Sigurdur Hjartarson, Direktor des Isländischen Phallusmuseums, mit Penistelefon.© Isländisches Phallusmuseum Sigurdur Hjartarson, Direktor des Isländischen Phallusmuseums, mit Penistelefon.© Isländisches Phallusmuseum

Hjartarsons Spezialisierung

In dem von ihm gegründeten Isländischen Phallusmuseum in Húsavík befinden sich über 200 Phalli und Phallusteile von zahlreichen Land- und Meeressäugetieren. Zu den Prunkstücken der Sammlung zählen vor allem Walpenisse. Alles in allem werden im Museum 54 Exemplare von 16 Walarten präsentiert.

Hjartarsons Spezialisierung hat sich weit herumgesprochen: Immer wieder wird er angerufen, wenn an der Küste von Island ein toter Wal strandet. Dann macht er sich mit seinem speziellen Operationsbesteck auf den Weg, um sich ein neues Objekt für sein Museum zu sichern. Manche Walphalli haben eine Länge bis zu 1,70 Meter und ein Gewicht bis zu 70 Kilogramm.

Daneben gibt es im Museum Penisse von Bären, Walrossen und weiteren Säugetieren. Angeblich haben auch schon vier Männer ihr Geschlechtsteil testamentarisch dem Museum vermacht. Bezüglich der Beweggründe dieser Leute (noch leben sie) werden wohl später die Museumsbesucher allerlei Mutmaßungen anstellen.

Wissenschaftliche Phallologie

Freilich gibt es auch in anderen Ländern Museen, wo präparierte oder artifizielle Phalli zur Schau gestellt werden. In St. Petersburg etwa wird in einem Erotikmuseum ein 28,5 Zentimeter langer Penis gezeigt, der von dem für seine Sexorgien berüchtigten Mönch Grigori Rasputin stammen soll. Und im Londoner Sexmuseum gibt es eine Wand, wo Phallusskulpturen in allen möglichen Größen und Erregungszuständen zum Ertasten einladen.

Während derartige Sexmuseen viele verschiedene Aspekte der Erotik abdecken, dürfte Hjartarsons Haus in Húsavík das weltweit einzige Museum sein, das sich ausschließlich auf Phalli versteift. Dank seiner umfänglichen Sammlung sei es nun auch möglich, "Phallologie auf organisierte und wissenschaftliche Weise" zu betreiben, sagt Direktor Hjartarson nicht ohne Stolz.

Isländisches Phallusmuseum
640 Húsavík, Hédinsbraut 3a, Island
20. Mai bis 10. September: 12–18 Uhr
Sondertermine bei Voranmeldung
Tel. 00354/566 8668
www.phallus.is

Print-Artikel erschienen am 19. August 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7






Schlagwörter

Museumsstücke

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-08-25 12:12:29
Letzte Änderung am 2015-09-03 03:38:14


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Abseits der Konventionen
  2. "Umgeben von Brex-Shitters"
  3. Vergessene Fortsetzung
  4. Dreidimensionale Musik
  5. Infizierend

Werbung




Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.

Bille August.


Werbung