• vom 14.07.2010, 15:00 Uhr

Museum

Update: 18.03.2013, 01:21 Uhr

Museumsstücke

Die kleinen Nöte der Wein-Kutscher




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Von Johann Werfring

  • Museumsstücke
  • Der Bau der Weinviertel-Autobahn war Anlass für die Gestaltung einer Fotoausstellung zur Geschichte der Verkehrsverbindung zwischen Wien und Brünn.

Weinfuhrwerk mit "Flecht'n", wie es für die Brünner Straße typisch war, undatiert (ca. 1920er bis 1940er Jahre).

Weinfuhrwerk mit "Flecht'n", wie es für die Brünner Straße typisch war, undatiert (ca. 1920er bis 1940er Jahre).© Foto: Winkler-Hermaden Weinfuhrwerk mit "Flecht'n", wie es für die Brünner Straße typisch war, undatiert (ca. 1920er bis 1940er Jahre).© Foto: Winkler-Hermaden

Schon von alters her war die Straße, die von Wien nach Brünn führt, eine wichtige Handels- und Verkehrsroute gewesen. Nach der planmäßigen Kolonisation des heutigen Weinviertels im Mittelalter entstand von Wien aus in nördliche Richtung ein Handelsweg, der später als "Schlesische Straße" bezeichnet wurde. Von Kaiser Karl VI. (1685 bis 1740), dem Vater der bekannten Kaiserin Maria Theresia, ging der erste Anstoß aus, die Schlesische Straße von Grund auf neu anzulegen, weshalb sie eine Zeitlang den stolzen Namen "Kaiserstraße" trug, ehe sich ganz allgemein der Begriff "Brünner Straße" durchsetzte.

Information

Die Brünner Straße
Reichensteinhof
2110 Poysdorf (NÖ), Liechtensteinstraße 1
Mo bis Fr 8–19 Uhr; Sa, So und Feiertag 9–19 Uhr
bis 30. September 2010
Tel. 0 2552/203 71/11
www.poysdorf.gv.at


Jahrhundertelang hatte der Weinbau im Umkreis der Brünner Straße einen wichtigen wirtschaftlichen Stellenwert. Der seit eh und je als "Brünnerstraßler" bekannte Wein wurde vor allem nach Wien, aber auch in Richtung Norden bis ins Baltikum und in die russische Stadt Sankt Petersburg exportiert.

Mit den typischen Brünnerstraßler Weinfuhrwerken, wie hier abgebildet, erfolgte bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg der Ferntransport der Rebensäfte. Die vorne am Fuhrwerk befindliche "Flechtn" bot Komfort und schützte den Kutscher bei den langen Fahrten vor Sonne und Regen. Die Plache am Fuhrwerkdach bewahrte nicht nur den Wein vor Hitzebeeinträchtigung, sondern auch das mitgeführte Pferdefutter vor Staub und Nässe.

Bis heute ranken sich legendenhafte Geschichten um die einstigen Brünnerstraßler Weintransporte. Viele von ihnen handeln von kleinen Gaunereien. Demnach konnte manch ein Fuhrknecht nicht widerstehen, von den Weinen etwas abzuzwacken. Um an das kostbare Nass heranzukommen, wurden Siegel erbrochen und einige Liter abgezapft. Das originale Siegel wurde dann durch ein gefälschtes ersetzt.

Eine andere Methode des Weindiebstahls war das "Bindern": Wenn der Fuhrmann schlief, wurde der erste Fassreifen neben dem Spundloch abgeschlagen, ein Loch ins Fass gebohrt und mit einem Schlauch Wein abgelassen. Hernach verschloss der Dieb das Loch mit einem Stöpsel. Nachdem darüber wieder der Fassreifen positioniert worden war, merkte niemand etwas, und dennoch fehlten oft zehn Liter.

Artikel erschienen am 15. Juli 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Museumsstücke

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2010-07-14 15:00:16
Letzte Änderung am 2013-03-18 01:21:24


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